Folgende Zeilen ergingen an das Büro unseres Landeshauptmannes.

Werter Günther!

Einleitend darf ich dir zu deinem Einschreiten beim Projekt Skigebiet Feldring/Schafjoch danken und gratulieren. Durch dein entschlossenes Handeln wurde ein Nachdenkprozess eingeleitet, an dessen Ende die Erkenntnis stand, dass das damals vorliegende Projekt in dieser Form weder ausgegoren, geschweige denn zukunftsgerichtet war und ist.

Nun gilt es allerdings, den Blick wieder nach vorne zu richten und die Weiterentwicklung der Region nicht aus den Augen zu verlieren. Dass dies unter dem Zeichen der Klimakrise ausschließlich umweltfreundlich zu erfolgen hat, versteht sich von selbst. Oder, um es mit den Worten von Clemens Fuest, dem Leiter des Münchner Ifo-Institutes zu sagen: "Ein Weitermachen wie vor der Krise wäre fatal." Getreu dieser Erkenntnis darf ich dir auch in deiner Eigenschaft als Tourismusreferent des Landes sowie Eigentümervertreter des Landes in der Tiwag eine Idee übermitteln, welche zwar bereits 2015 entstanden ist, die nun allerdings aktueller denn je erscheint.

Die Sache ist die: Es geht um eine andere Art des Zusammenschlusses von Hochötz und Kühtai, denn grundsätzlich ist die Verbindung der beiden bestehenden Skigebiete eine sinnvolle Sache. Die Frage ist aber bekanntlich immer das Wie.

Darüber hinaus gilt es auch, den in der Region darbenden Sommertourismus anzukurbeln und ganz besonders einen Ganzjahresmehrwert für die einheimische Bevölkerung zu erzielen! Man stelle sich nur einmal vor, welch Perspektiven es mit sich bringen würde, wenn man Kühtai alleine durch elektrischen Antrieb von der Talsohle (800 m Seehöhe) aus erreichen könnte: Keine Notwendigkeit mehr einer Autoanfahrt durch das Nedertal bis hinauf auf 2000 Meter. Nein, Ausflügler, Wanderer, Biker, jene, welche das Kühtai für den Sommersport nützen, könnten bequem in den bestehenden Zubringer nach Hochötz einsteigen und von dort in die ...

... unterirdische Verbindungsbahn gelangen! Diese ist auf dieser Skizze gelb dargestellt:

Die derart neu entstehende Verbindungsbahn zwischen Hochötz und Kühtai wäre rund sieben Kilometer lang nicht einmal ein Drittel dessen, was nun ins Stubai gebohrt wird und würde, weil sich beide Endstationen in etwa auf selber Höhe befinden, beinahe waagrecht verlaufen. Die vier rot eingezeichneten Punkte könnten mögliche, besondere "Haltestellen" in Form von Kavernen sein. Über diesen Zusatznutzen ein wenig später. Denn natürlich gilt es zunächst die Frage zu beantworten, was das Ganze, wie einleitend angedeutet, überhaupt mit der Tiwag zu tun hat.

Nun, wie bekannt, schickt sich unserer Landesenergieversorger gerade an, im Rahmen der fast eine Milliarde schweren Investition "Längentalspeicher" auch einen 25 Kilometer langen Beileitungsstollen ins Stubai zu bohren. – Wieso sollte man diese Situation nicht gleich nützen? Die sich daraus ergebenden Synergien: Die Maschine bereits vor Ort; wahrscheinlich der dadurch erzielbare Preis für das zusätzliche Bohren unübertrefflich; keine weiten Wege für das Ausbruchsmaterial, das beim Dammbau verwendet werden könnte, etc pp.

Und bei dieser Gelegenheit könnte auch gleich ein großer Nutzen für die Tiwag entstehen. Wie wir alle wissen, hat sich der Strommarkt bereits stark gewandelt. Und er wird dies auch in Zukunft tun. Der Schlüssel zum Erfolg wird dabei neben einer möglichst Co2-neutralen Erzeugung auch die Frage der Speicherung sein. Gerade sie wird durch die vermehrte Einspeisung von volatileren Energien immer brisanter werden. Gründe genug also für die Tiwag, sich selbstbewusst als nachhaltiger Marktführer im Bereich "Grüne Batterien Europas" (= Speicher-kraftwerke) zu positionieren. Dies könnte, ehrlich und griffig aufbereitet, zu einem enormen Imagezugewinn führen und gleichzeitig mit dem Projekt der Verbindungsbahn realisiert werden. Geteilte Kosten sind halbe Kosten.

Wie wäre es daher, wenn sich die Tiwag einklinken würde und in zwei der rot eingezeichneten Kavernen, publikumswirksam aufbereitet, stolz das präsentiert, was sie für das Land und Europa leistet? Das wäre doch mal was! Strom-Erlebnisstätten! Stell dir das einmal vor! Just an der Stelle, wo die größten grünen Batterien Europas stehen, könnte es auch "Strom-Adventure" geben! Vielbesuchte Ausflugs- und Informations-Schaustätten! So etwas wäre doch zukunftsgerichtet, hätte Alleinstellungsmerkmal und PR in eigener Sache!

Lieber Günther, kannst du nicht bitte auch diesmal ein Machtwort sprechen, und, ehe diese Jahrhundertchance den Bach hinunter geht, die Verantwortlichen in Gemeinde und Tiwag dazu motivieren, über diese Chance gemeinsam nachzudenken? Kannst du nicht noch einmal einschreiten und auch dafür sorgen, dass die Sache letztendlich ein gutes Ende findet?

Eines ist dabei klar: Wenn es noch einem gelingen kann, diesen gordischen Knoten gekonnt zu durchschlagen, dann bist das du.

Ich danke dir vorab für die Bereitschaft, auch in diesem Belang noch einmal etwas Gutes zu tun, griaß di,
Bernhard Stecher

***

Nachtrag zu Teil 1 in dem die Rede von den Kosten der Ausgleichsmaßnahmen rund um das Brunauer Wehr gewesen ist.

Vier Millionen Euro werden dafür ausgegeben. In dieser Summe sind auch zwei kleinere Baustellen (Altarm Sautens und Ufergestaltung Unterried) enthalten.