als einheimische Bevölkerung hätten wir es uns eigentlich verdient Aufklärung darüber zu bekommen, was sich in Sölden wirklich abgespielt hat. Die politische Aufarbeitung wird nach überstandener Krise gemacht, das sollte jedem klar sein.  Aber hier geht es um UNSERE GESUNDHEIT!!

Warum das so wichtig erscheint?

Auch Gäste und Einheimische aus Ötz oder den anderen Ötztaler Gemeinden waren in Sölden Skifahren, der eine oder andere vielleicht auch auf Apres-Ski-Partys. Somit wäre es nun endlich wichtig zu erfahren, wann die ersten Fälle in Sölden waren, wie der Kontakt derer zu anderen Menschen war (Personal, andere Gäste usw.), was diese sonst noch für Freizeitaktivitäten unternommen haben (z.B. Therme in Längenfeld).  Ab wann müssen diese damit rechnen, angesteckt worden zu sein? Das ist deshalb so wichtig, weil Sölden bis heute dem Land Tirol nach nicht als Risikogebiet gilt. Wer Symptome hat und in den letzten 14 Tagen in Sölden war, zählt bis heute nicht als Verdachtsfall, und wird entsprechend wohl auch nicht getestet - siehe dann weiter unten.

Ein paar Infos zum Corona-Virus und der Erkrankung

Man kann es vielleicht eh schon nicht mehr lesen oder hören, aber es scheinen immer noch so viele Unklarheiten zu herrschen:

  • JEDER hat das Risiko sich mit dem Virus zu infizieren und dieses auch weiter zu übertragen!
  • Als Risikogruppe werden jene Menschen bezeichnet, die vermehrt einen schweren Verlauf der Erkrankung aufweisen. Hierzu zählen insbesondere ältere Menschen ab 60, Raucher und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen (Detailinfos vom Robert-Koch-Institut).
  • Auch wenn die Risikogruppe häufiger von schweren Verläufen betroffen ist, so können auch junge Menschen schwere Verläufe entwickeln!!
  • Ein Auftreten von Symptomen kann nach der Ansteckung im Zeitraum zwischen 1 und 14 Tagen auftreten, in der Regel sind es 5-6 Tage.
  • Eine Infektion kann ohne Krankheitszeichen ablaufen.
  • Die letzten beiden Punkte zeigen, dass das die Eindämmung so schwierig macht, man fühlt sich gesund und kann trotzdem schon infektiös sein und andere damit anstecken. Daher auch die Anordnung durch die Behörden Sozialkontakte auf das Allernötigste zu reduzieren!!
  • Als häufigste Krankheitszeichen werden Fieber und Husten berichtet.
  • Die Krankheitsverläufe sind jedoch unspezifisch, vielfältig und variieren stark. Daher lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen zum „typischen“ Krankheitsverlauf machen.

Quellen dazu:
Weltgesundheitsorganisation (WHO), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (DE), Landessantitätsdirektion Tirol

Ablauf und Behörden"reaktionen"

Kurze Zusammenfassung der Abläufe (da gibts natürlich noch wesentlich mehr, die Betrachtung folgt verstärkt in Zusammenhang mit Sölden und um das Agieren der Behörden aufzuzeigen):

  1. Januar 2020
  • Schon zu diesem Zeitpunkt ist das Virus bei uns angekommen. Eine Urlauberin die angesteckt war, übernachtete auf der Dortmunder Hütte in Kühtai. Zumindest seither hätte deutlich erhöhte Wachsamkeit herrschen müssen, insbesondere zur Problematik mit Touristen/Gästen!
  1. März 2020
  • Erster bestätigter Fall im Bezirk Landeck.
  • Ischgl wird von den isländischen Behörden als Risikogebiet eingestuft. Allerdings wird da einen Tag später lapidar gemeint, die 14 Isländer hätten sich im Flugzeug angesteckt, weitere Maßnahmen/Untersuchungen sind offensichtlich unterblieben? Und was ist mit der Inkubationszeit? Und woher war man sich sicher, dass der eine, aus dem Italienurlaub kommende Fluggast schon vorher infiziert war? Und wenn das wirklich so war, dann hätte ja auch das Flugpersonal infiziert werden müssen. Davon war aber nirgends die Rede.
  1. März 2020
  • Das Robert-Koch-Institut (DE) stuft Südtirol als Risikogebiet ein, die österreichischen Behörden folgen dem. Aber nur für einige Stunden!! Südtirol wurde wieder von der Liste genommen, ein Bescheid des Landes Tirol, dass Südtiroler das Andrea Berg Konzert in der Olympiahalle nicht besuchen dürfen wurde wieder revidiert: "Man sei in einer seriösen Risikoabschätzung zum Schluss gekommen, dass diese Maßnahme nicht notwendig sei...". Im Interview LH Platter mit dem Standard (17.03.) meinte er, "..., dass diese Bewertung des RKI überzogen war." Kurz danach sagt er: "Für uns ist bei den Einschätzungen das RKI der Maßstab, an dem wir uns orientieren."
  1. März 2020
  1. März 2020
  1. März 2020
  1. März 2020
  1. März 2020
  1. März 2020
  1. März 2020
  • Polizei kommt ins Hotel "Liebe Sonne" und informiert die Angestellten über den positiven Corona-Fall. Fluchtartiges Verlassen von Angestellten aus Ostösterreich bzw. aus Oststaaten, einige wurden inzwischen dort auch positiv getestet.
  • Quarantäne der restlichen Angestellten.
  • Im Rest von Sölden wird wie gewohnt Ski gefahren und Apres-Ski-Parties gefeiert.
  1. März 2020
  1. März 2020
  • Alle Tiroler Beherbergungsbetriebe und Gaststätten müssen schließen.
  1. März 2020
  1. März 2020 Abends

Wenn man bedenkt, dass Norwegen mit Stand 14.03. die Hälfte seiner 907 positiven Fälle aus Österreich (hauptsächlich Ischgl) importiert hat, die Deutschen aber die stärkste Tourismusgruppe in Ischgl ist, kann man die Dimension des NICHT-Handelns abschätzen. Mag zwar sein, dass es in Sölden nicht so schlimm war, aber wer weiß es wirklich? Wieviel wurde getestet und wieviel lassen sich wirklich Sölden zuordnen. Man erinnere sich an die Aussage der Landessanitätsdirektion vom 08.03.2020 "Eine Übertragung des Coronavirus auf Gäste der Bar ist aus medizinischer Sicht eher unwahrscheinlich". Na hoffentlich hat sich das Virus an diese medizinische Sichtweise gehalten. Geht man von einer typischen Inkubationszeit bis zum Auftreten einer Symptomatik von 5 Tagen aus und einer Dauer von 2 Tagen bis das Testergebnis vorliegt (Abstrich machen, einschicken, auswerten, Ergebnis zurückschicken, Patient informieren), dann kann man davon ausgehen, dass ab MINDESTENS Anfang März eine Infektion in Sölden möglich war, in Ischgl schon Ende Februar. Ob Sölden sich an die behördliche Vorgangsweise gehalten und seine Gäste entsprechend informiert hat? Weiß man inzwischen wo sich der positiv getestete Discjockey angesteckt hat? War er in einem Risikogebiet oder hat er sich selbst in Sölden angesteckt?

Was folgte?

Wenn man das schon liest: Die Gesundheit unserer Gäste, Mitarbeiter und der Bevölkerung vor Ort hat ... absolute Priorität. Das soll man glauben? Nachdem die Behörden (und somit sicherlich auch der Sölder Bürgermeister bzw. Tourismusverantwortlichen) zu diesem Zeitpunkt von zumindest 9 bestätigten Fällen von Sölden-Urlaubern bzw. deren Kontaktpersonen Kenntnis hatten? Da lässt man noch 3 Tage das Skigebiet offen und 4 Tage die Unterkünfte? Und danach kritisiert man, wenn die Menschen glauben das Ganze sei aus reiner Gier passiert? Hier ist nicht der Platz darüber zu urteilen, jeder kann sich selbst ein Bild darüber machen. Medienberichte gibt es zuhauf, sowohl in Österreich als auch in ganz Europa.

Warum hat das Land nicht sofortige Quarantäne über Sölden verhängt? Naja, für Ischgl und St. Anton haben die Behörden für diese Maßnahme auch bis Freitag 13. März gebraucht. Aber trotz des Wissens der Fälle in Sölden und der Menschenansammlungen auf engstem Raum wurde über Sölden spätestens dann KEINE Quarantäne verhängt? Ist das nicht grob fahrlässig?? Trotz dem schon viele Wochen vorliegendem Wissen von Inkubationszeit und Übertragungsmöglichkeiten? Trotz dem Wissen, dass viele Menschen auf engen Raum einem erhöhtem Übertragungsrisiko ausgesetzt sind (gilt für alle Krankheiten die durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen werden können)? Hat man somit auch in Sölden wissentlich zugelassen, dass sich das Virus in Österreich und in Europa weiter verbreiten konnte?

Sölden hat mit Sperre gerechnet
Die Ötztaler Tourismusgemeinde Sölden ist Dienstagabend von der Behörde unter Quarantäne gestellt worden. Bürgermeister Ernst Schöpf (ÖVP) hat bereits damit gerechnet, auch die Bewohner hätten bei der Absperrung gefasst und ruhig reagiert, heißt es bei der Polizei.
Die Reaktion des Sölder Bürgermeisters Ernst Schöpf kann in diesem Bericht nachgelesen werden.

Information an die Bevölkerung?

Erscheint wohl nicht notwendig.
Warum wurde die Ötztaler Bevölkerung bis heute nicht ausreichend informiert? Um sich der Gefahr bewusst zu werden, Kontakte mit Söldern oder auch solchen die in letzter Zeit in Sölden waren zu minimieren? Manch einer hätte sich wohl auch freiwillig in Selbstquarantäne begeben, hätte er es nur gewusst. Aber nein, die Söldener sind somit bis zur Quarantäne am 17. März weiter aus- und eingefahren und haben möglicherweise so zu einer (noch) weiteren Verteilung des Virus beigetragen.
Wie oben beschrieben kann man davon ausgehen, dass ab mindestens Anfang März eine Infektion in Sölden möglich war. Hat es Informationen entsprechend der behördlichen Vorgangsweise gegeben? Hinweise werden gerne entgegengenommen:

E-Mail schreiben, Infos zu Vorgängen um Corona

Stand heute

Es verwundert auch nicht, dass momentan die Zahlen der bestätigten Infektionen in die Höhe schießen. Von Donnerstagabend bis Freitagvormittag wurden in Tirol 97 weitere Personen positiv auf das Coronavirus getestet.
Wie eingangs gezeigt, das tückische an dem Virus ist, dass manche kaum oder nur unspezifische Symptome zeigen. Auch dauert es meist einige Tage, bis sich Symptomatiken zeigen. Genug Zeit für eine Weiterverbreitung ohne, dass das einem bewusst ist. Erst wenn man die "typischen" Symptome wie Husten, Fieber, Kurzatmigkeit aufweist, UND Aufenthalt in Risikogebieten in den letzten 14 Tagen, so zählt man zu einem Verdachtsfall. Dass die Risikogebiete immer noch Stand 16.03.2020 aufweisen und Sölden bzw. mittlerweile ganz Tirol nicht aufscheint, ist irgendwie befremdlich. Soll heißen, wer in den letzten 14 Tage in Sölden war und nun die "typische" Symptomatik aufweist, zählt lt. Behörde nach wie vor NICHT zu einem Verdachtsfall. (Stand 20.03.2020, kann sich natürlich jederzeit ändern - hoffentlich!!!). UPDATE: mit Stand 21.03. ist nun ganz Tirol als Risikogebiet mit drinnen.
Entsprechend dieser Definition und der sich daraus ergebenden Zahl an Testungen ist auch nicht weiter verwunderlich, dass die Zahlen nicht noch weiter explodieren. Die Dunkelziffer ist sicherlich enorm, lt. Land Tirol sind 1.527 Testungen noch in Auswertung (Stand 20.03. Mittags). Wie sieht es denn in Sölden aus? Werden dort viele Testungen gemacht oder wird ganz darauf verzichtet weil eh in Quarantäne? Dem Vernehmen nach ist Letzteres der Fall. Keine Testung da eh in Quarantäne, eine positive Testung macht daher keinen Unterschied.

Weiter befremdlich ist, in Österreich wurden mit Stand 20.03.2020 (15 Uhr) 15.613 Testungen durchgeführt. Norwegen hat etwa die Hälfte der Einwohnerzahl aber beinahe das Dreifache, 43.735 Testungen durchgeführt. Auf die Bevölkerungszahl bezogen macht Norwegen also das Sechsfache an Testungen als Österreich. Warum? Sie scheinen es ernster zu nehmen als wir.

Zahlen zu Corona aus Norwegen. 1742 positive Fälle.

Eines ist klar, je weniger Tests es gibt, desto weniger positive Fälle. Daher werden die Fallzahlen noch weiter steigen, insbesondere wenn der Bund nun angekündigt hat mehr zu testen - warum ist das nicht bisher schon geschehen? Was heißt das aber? Wenn mit den jetzt schon strengen Maßnahmen die Fallzahlen weiter steigen ist wohl davon auszugehen, dass die Maßnahmen noch schärfer werden. Ich hoffe ich täusche mich...

Der Schaden

Der durch dieses Handeln entstandene Schaden lässt sich noch in keinster Weise abschätzen, ist aber enorm. Nicht nur für uns, unser Land hat stark dazu beigetragen den Virus nach ganz Europa zu exportieren. Da bekommt die im Zuge der Quarantänemaßnahmen für Ischgl und St. Anton als auch für die Skigebietsschließungen einige Tage später  Verwendete Floskel man wolle eine "geordnete Abreise" ermöglichen eine ganz neue Bedeutung. Das hat nicht nur für die Gäste gegolten sondern auch für das Virus!

Jetzt geht es mal in erster Linie den gesundheitlichen Schaden in Grenzen zu halten, daher werden alle Menschen aufgerufen ihre sozialen Kontakte in Grenzen zu halten bzw. Gewohnheiten vorübergehend zu ändern (Telefon, Skype, Brief, E-Mail anstatt persönlich zu treffen). Je mehr sich strikt daran halten, desto besser gelingt die Eindämmung. Mehr wird es auch nicht sein, das Virus wird uns ab nun immer begleiten. Ob das dann ähnlich wie bei Gripewellen vonstattengeht oder ganzjährig und in welcher Intensität weiß noch keiner. Jetzt geht es darum, dass die Infektionen so langsam ansteigen, damit ausreichend Kapazitäten in unserem Gesundheitssystem das auffangen können. Als Negativbeispiel sehen wir was sich in Italien abspielt, das will man bei uns verständlicherweise verhindern - koste es was es wolle.

Für alle, die hoffen recht bald einen Impfstoff zur Verfügung zu haben: das braucht Zeit und das zurecht. Jetzt überstürzt einen Impfstoff zur Verfügung zu stellen könnte fatal sein. Es hat schon seine Gründe, warum nach der Entwicklung eines Impfstoffes ausreichend Tests und Studien gemacht werden, also Mindeststandards eingehalten werden. Das soll und wird auch bei einem Impfstoff gegen SARS-CoV-2 so bleiben.

Was bleibt?

Die Ötztaler wissen bis heute NICHTS. Schweigen ohne Ende dafür mit aller Energie beschwichtigen und sein Nicht-Vorgehen verteidigen. Auf Kosten UNSERER Gesundheit! Und so wurde ganz Tirol zum Risikogebiet, mit massiven Einschränkungen für jeden Tiroler Bürger. Die Behördenversäumnisse zu Beginn (nicht nur Tirol, der Bund hat wissentlich zugeschaut!!) rächen sich nun mit äußerst strengen (und vielleicht noch strengeren) Maßnahmen. Unser Landesrat für Gesundheit, Bernhard Tilg, hat noch im ZIB2-Interview am 16.03.2020 immer wieder betonte: Die Behörde hat alles richtig gemacht. Hat sie das wirklich? Dazu muss man auch wissen, Univ. Prof. DI Dr. Tilg ist studierter Elektrotechniker, hat also mit Medizin gar nichts am Hut und ist noch dazu Landecker, ähnlich unserem Landeshauptmann Platter, der bekanntlich Zammer ist. Zufall, dass ausgerechnet der Bezirk Landeck aufgrund vieler Nicht-Maßnahmen als Corona-Hochburg und "Virenschleuder für ganz Europa" gilt? Ein Schelm wer so was denkt???
Wie gesagt, die politische Aufarbeitung erfolgt nach überstandener Krise. Ich hoffe aber stark, dass sich auch die Gerichte mit der Thematik auseinandersetzen - schließlich geht es um fahrlässige (wenn nicht sogar bewusste??) Gemeingefährdung.


FAQ zur Quarantäneverordnung
Stand, 19. März, 17 Uhr
www.tirol.gv.at
Offizieller Internetauftritt der Tiroler Landesregierung, des Landtages und der Landesverwaltung

Gemeinde Oetz

Weitere Infos zu den Abläufen

Ein ganz besonderer Dank geht an Markus Wilhelm, der wie immer an Aufklärung arbeitet:
http://www.dietiwag.org

Hier eine detaillierte Recherche der Ereignisse (Semiosisblog).