Mit Beginn der Corona-Krise, nicht nur in Österreich, änderte sich auch in der Speditionswirtschaft so einiges.

Hamsterkäufe

Seit Verordnung der Quarantäne im Paznauntal und am Arlberg, der vorherrschenden prekären Situation in Italien und der Ankündigung, dass weitere schärfere Maßnahmen für Tirol getroffen werden, begann der außerordentliche Zustand der Hamsterkäufe. Bei uns in der Lebensmittellogistik gab es plötzlich ein Mehraufkommen von ca. 30 bis 40%. Der Laderaum in diesem Segment wurde knapp. Da ein Teil dieser Waren (Trockensortiment usw.) über die umweltfreundliche Alternative im unbegleiteten kombinierten Verkehr (Container werden auf die Schiene verladen) transportiert wird, musste die Waggonkapazität innerhalb Österreich spontan erhöht werden.
Nach den Hamsterkäufen ging das Frachtaufkommen im Lebensmittelbereich sogar zurück - die Bevölkerung hatten ja den Keller inkl. Klopapier voll. Aktuell sind die Mengen wieder konstant, in etwa wie vor der Krise.

International

Im internationalen Bereich (DE, IT) wurden die Maßnahmen wegen Corona von Tag zu Tag immer schärfer, sodass auf der Hauptverkehrsroute Italien - Deutschland und vice versa (übern Brenner) die Transporte sukzessive einbrachen. Grund dafür war, dass immer mehr LKW Fahrer in Quarantäne gehen mussten. Europaweit herrscht generell ein Mangel an LKW Fahrern, Fahrernachwuchs gibt es praktisch nicht. Allein in Deutschland gibt es 1 Mio. LKW Fahrer, von denen in den nächsten 5 Jahren ca. 70% in Pension gehen werden. Dieser LKW-Fahrermangel führte vor allem im Lebensmittelbereich zu enormen Engpässen, weshalb in Folge die einzige Transportalternative - nämlich die Schiene - gestürmt wurde. Egal was es Kostet, egal wie lange es unterwegs ist (außer Frischware), der unbegleitete kombinierte Verkehr (Container werden da auf die Schiene verladen) hatte Zuwachsraten von 30%. Sonderzüge wurden bestellt, die Trassierung dieser Züge stellt sich auf dem sehr strapazierten Schienennetz trotzdem recht einfach dar, da der Personenverkehr in diesem Zeitraum sehr eingeschränkt wurde.

Mit Beginn der Zwangsschließungen von Betrieben in Italien, welche keine lebensnotwendige Waren produzieren, wurden wieder LKW Kapazitäten frei, die Situation im Lebensmittelbereich entspannte sich. Ebenso schlossen diverse Betriebe in Österreich und Deutschland. Das Frachtaufkommen im nationalen Bereich sank um 10–15%, in Tirol sogar um 30%. Sogar die Schiene verlor an Gütersubstrat. Internationale Güterzugverbindungen auf den Hauptverkehrsrouten wie z.B. Verona - Ruhrgebiet usw. wurden eingestellt, bzw. auf das minimalste heruntergefahren.

Logistik

Den Logistikbereich (Lagerlogistik) traf es auch hart, da dieser Bereich stark mit der Industrie verwurzelt und somit abhängig ist. Durch Betriebsschließungen stagnierte der Warenfluss in den Logistiklagern ebenso wie im Automotivbereich.

Containerschiffe

Im Maritimen Verkehr war die Situation anders, da der Corona-Virus in Fern Ost (vor allem China) mit seinen wirtschaftlichen Einschränkungen früher als bei uns durchgriff.
Maritimen Container (20 Fuß und 40' groß), diese Seecontainer gehören div. Reedern wie Hapag Lloyd, Evergreen usw., diese werden der Speditionswirtschaft und in Folge der Industrie für weltweite Importe und Exporte zur Verfügung gestellt. Das Containeraufkommen ex Fern Ost (China) nach Europa ist komplett eingebrochen. Dadurch, dass keine Container von Fern Ost nach Europa mehr gekommen sind konnten auch keine Container für den Export von Europa in die weite Welt geladen werden. Es herrschte ein Container Mangel in ganz Europa. Container Schiffe (bis zu 20.000 Container pro Containerschiff) konnten die Fahrt nicht aufnehmen. Es stauten sich dieSchiffe an den Häfen wie Bremerhaven, Hamburg, Rotterdam usw. Die ersten Import Container ex Fern Ost werden im Juni bei uns in Europa eitreffen. Die Produktion in Fern Ost (China) hat zwar schon begonnen, der Seeweg nach Europa dauert aber ca. einen Monat. Erst dann kann der weltweite Export wieder ordentlich abgewickelt werden.

Paketdienste

Beim Paketdienst gab es erstaunlicherweise nur kleine Zuwachsraten, da viele Industriebetriebe ihr Tore schlossen und keinen Paketversand anboten. Ganz im Gegenteil wuchs der „home delivery“ Bereich (z.B. Zustellung von Elektroartikel inkl. Anschluss zu Hause) um satte 15%.

Jeder hats gemerkt

Die Transportwirtschaft wurde aufgrund des Corona Virus komplett umgekrempelt. Jeder einzelne Bürger hat das sicherlich in irgend einer Form mitbekommen. Entweder fehlen Produkte in den Regalen in den Supermärkten, die Lieferung bestellter Pakete von Online-Shops dauert länger, aber vor allem ist der LKW Verkehr auf den Autobahnen und Bundesstraßen sehr zurückgegangen - zum Wohle der verkehrsgeplagten Tiroler Bevölkerung!

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