Abstand halten:

„Auf anderthalb Meter Abstand halten!“ Wem ist es in den letzten Wochen nicht auch so ergangen, dass man sich auf der Straße oder im Geschäft erschreckte, weil eine Person zur Seite gesprungen ist, da einem der Fehler unterlaufen ist, jemandem zu nahe zu kommen. Aber anders als sonst, kann in Zeiten der Pandemie eine Gesichtsmaske sogar vertrauenerweckend sein! Gerade in der Krise zeigt sich, wie wichtig es ist, wie wir miteinander umgehen. Als gesunder Mensch sich zurücknehmen und seine persönliche Freiheit einzuschränken, verlangt viel, aber dieser Respekt vor dem Befinden unserer Mitmenschen kann jenen helfen, die zu den Gefährdungsgruppen gehören. Hier kann die Krise bewirken das Bewusstsein im menschlichen aber auch im demokratiepolitischen Miteinander zu schärfen. Denn der „permanente Notstandsstaat“ der unsere Zivilgesellschaft im ständigen Corona-Ausnahmezustand festhält, hat unsere Freiheiten zugunsten von Sicherheitsgründen eingefroren, doch diese Machtfülle der Regierenden darf nur eine geliehene bleiben, die den Bürgern zusteht und wie der Rechtsstaat zu den unveräußerlichen Grundrechten zählt. Vielleicht gelingt es auch bei der Rückkehr ins Normale, einen wachen Blick der Zivilgesellschaft gegenüber dem politischen Bereich auf Staats- und Gemeindeebene aufrechtzuerhalten!

Rücksicht ist jedoch auch im Bereich des eigenen Umfeldes wichtig. Die Ausgangsbeschränkungen der Regierungen tragen dazu bei Leben zu retten, zugleich aber werden Opfer häuslicher Gewalt mit ihren Peinigern auf engen Raum zusammengesperrt und sind diesen noch stärker als sonst ausgeliefert, vor allem sind es Frauen, die davon betroffen sind. Ebenfalls sind durch den Notstand die unteren Schichten stärker berührt, dort kann mangelndes Einkommen schnell zur existenziellen Bedrohung werden und das fördert wieder Konflikte und Gewalt. In den vergangenen Jahrzehnten hat der gesellschaftliche Zusammenhalt durch stärker werdenden Individualismus und Egoismus abgenommen und Abstand halten in Covid-19 Zeiten heißt nicht, sich abzuwenden, sondern Verantwortung für andere übernehmen und Solidarität in den Vordergrund zu stellen.

Jeder kann einen Beitrag leisten und wir können unsere kleinen Betriebe unterstützen – wir können etwa unserem Lieblingsrestaurant, einen Betrag vorab überweisen und konsumieren diesen dann in späteren Zeiten ab, sodass Betriebe Einnahmen haben, um Mieten und andere Kosten abzudecken. Gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen sind ein Rückgrat einer funktionierenden Dorfgemeinschaft und sollten auch nach der Krise noch da sein!

Alles deutet darauf hin, dass wir das Virus nicht so schnell loswerden und wir werden eine Strategie finden müssen, die es uns ermöglicht, das Virus in Schach zu halten, die Gesamtbevölkerung und die Wirtschaft als Ganzes nicht unnötig zu belasten und gleichzeitig Senioren und chronisch Kranke bestmöglich zu schützen. Die Bewohner im Altenheim trifft dies besonders, da ihre Bewegungsfreiheit und Besuche, ja selbst von engsten Angehörigen, eingeschränkt werden. Mit einem Brief an eine Person, die wir in einem Altenheim kennen, kann man vielleicht etwas bewirken!

Die Krise bringt Vorteile in den Bereichen Klima- und Umweltschutz und auch eine Erholung bei unserer großen Verkehrsproblematik. Eine kollektive Auszeit wäre schön, ohne all die Opfer. In den vergangenen Wochen wurde in Rom das Pestkreuz aus der Kirche von San Marcello beim Petersdom aufgestellt. Das Coronavirus ist aber nicht mit der Pest zu vergleichen, die im Mittelalter und der frühen Neuzeit ganze Landstriche entvölkert hat. Im Sommer 1665 als die Universität von Cambridge wegen der „Großen Pest“ für 2 Jahre geschlossen wurde, war auch Isaac Newton davon betroffen und zog sich für diese Zeit bis zur Wiedereröffnung ins „Home Office“ zurück. Nach seinen eigenen Bezeugungen hatte er in diesen Jahren seine ersten weitreichenden Ideen, die sich zur Grundlage der modernen Physik und Mathematik entwickelt haben! Versuchen wir auch, die Zeit kreativ zu nutzen, um Positives für uns selbst und die Gesellschaft voranzubringen!