Er hat bereits mit 16 Jahren sein Debüt in der Landesliga-Kampfmannschaft des USV Thurner Ötz gegeben. Als blutjunger Skater musste er das dilettantische Entstehen des Skateplatz-Verhaus beim Recyclinghof miterleben. Später war er viele Jahre lang als Schilehrer und Jungschützenbetreuer hautnah mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt. Heute ist er Familienvater und steht in Ausbildung zur Sozialbetreuung und Pflege. Patrick Fiegl (30) kennt sich also aus: Er verfügt über genügend eigene Erfahrungen und ihm ist auch die aktuelle Lehrmeinung nicht fremd. Im Interview mit LÖ erinnert er sich an früher und gibt seine Einschätzung über die aktuelle Jugendarbeit in der Gemeinde Ötz ab.

Patrick Fiegl, früher selbst Skater, blickt auf seine noch nicht allzu weit zurückliegende Jugendzeit zurück und analysiert ganz generell die Jugendarbeit in der Gemeinde Ötz.

LÖ: Pati, erzähl bitte zunächst einmal von früher. Wie war das damals, als das damals von euch so genannte "Bermuda-Dreieck" am Recyclinghof entstand.
Patrick Fiegl: "Skaten zähle ich zwar nicht zu meinen sportlichen Stärken, aber hinter dem Skaten steht nicht nur die sportliche Aktivität, sondern auch eine Kultur - eine Jugendkultur. Die sich unter anderem im Kleidungs-, Musik- und Lebensstil widerspiegelt und somit ein Lebensgefühl darstellt.
Entstanden ist der Platz im Haidach im Jahre 2005. Da es damals meines Wissens nach keine(n) AnsprechpartnerIn bzw. eine(n) KoordinatorIn für die Jugend und dieses Projekt gab und es mit der Kommunikation in der Gemeinde Ötz generell nicht so gut bestellt ist, kam leider diese Lösung zustande, und zwar so, dass diese weder für die Gemeinde selbst noch für die Jugend zufriedenstellend war."


LÖ: Fühlte sich die Jugend damals wertgeschätzt? Hatte man das Gefühl, dass hier etwas Gemeinsames entstehen würde?
Patrick Fiegl: "Wir Skater waren damals an manchen Orten unerwünscht. Wir wurden daher auch des Öfteren ,verschickt´, sei es vom Schulhausplatz oder von dem ehemaligen Postgebäude, dort, wo heute das Gemeindehaus steht. Dies führte manchmal zu Konflikten. Das waren halt gute ,Spots´von den baulichen Gegebenheiten sowie der Erreichbarkeit her. Nebenbei wollten wir uns sichtbar machen und gehört fühlen.
Mit der halbherzigen Ausführung des ,Bermudadreiecks´ fühlten wir uns natürlich nicht wirklich wertgeschätzt. Vor allem weil man dann glaubte, dass es mit dem Asphaltieren und Einzäunen getan sei,  und danach wunderte, wenn sich die Jugend, aus der erfinderischen Not heraus, aus der angrenzenden ,Mull´ selbst etwas zusammenbastelte. Was teilweise auch höchst sicherheitsbedenklich war. Ich erinnere mich auch an manche Verletzungen."

LÖ: Wie würdest du die Jugendarbeit der Gemeinde beurteilen und wie siehst du sie aus dem Blickwinkel des angehenden Sozialpädagogen?
Patrick Fiegl: "Eine Jugendarbeit ist praktisch nicht vorhanden bzw. steckt kein System dahinter. Wie ich schon in meinem Beitrag erwähnt habe findet diese ausschließlich auf Vereinsebene statt. Sie wäre allerdings auch von öffentlicher Seite dringend erforderlich, um den Kindern und Jugendlichen Räumlichkeiten und eine Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Man müsste sie wertschätzend behandeln und ihnen die nötige Anerkennung schenken."

LÖ: Du überblickst trotz deines geringen Alters einen relativ langen Zeitraum, weil du früh in diversen Vereinen und Vereinigungen aktiv warst. Hattest du jemals das Gefühl, dass der Gemeindeführung mit irgend etwas in diesem Segment wirklich einmal ernst war?
Patrick Fiegl: "Bei Angelegenheiten für viele Vereine ist sicher eine Ernsthaftigkeit gegeben, als einzelne Person oder allgemeine Gruppierung, wie sie die Jugend darstellt, erfährt man wenig Gehör. Ich erinnere mich in meiner Jugend an einige Zusammenkünfte, die meist zu den Vorwahlzeiten stattfanden. Dazu muss ich sagen, dass sich ein paar kompetente Jugendaffine wirklich Gedanken gemacht und auch eine große Bereitschaft zur Veränderung gezeigt haben, welche allerdings im Gemeinderat leider nie einen großen Anklang gefunden hat."

LÖ: Die Jugend braucht bekanntlich Freiräume. Bräuchte es auch eine Bewusstseinsbildung in der Gemeinde, müsste Verständnis für das jeweils "Andere" in der Gemeinde vermittelt werden?
Patrick Fiegl: "Unbedingt, da muss ein Paradigmenwechsel her. Die Kinder und Jugendlichen brauchen Orte, um ihre Potentiale zu entfalten und sich selbst verwirklichen zu können und dürfen. Die Anliegen der Kinder und Jugendlichen müssen einfach dazugehören."

LÖ: Anderes Thema. Es hat vor rund zwei Jahren eine lustige Episode um deine Person gegeben, weil du in eine Sitzung des Beirates Zukunft zum später grandios gescheiterten Projekt Feldring/Schafjoch geplatzt bist. Du hattest gemeint, diese Zusammenkunft sei öffentlich. Vor versammelter Gesellschaft hat dann der Ötzer Bürgermeister erklärt, du könntest an der Zusammenkunft nicht teilnehmen, er würde dich aber höchstpersönlich informieren. Wäre interessant zu wissen: Hat er sein Versprechen eingelöst, steckte da etwas dahinter?
Patrick Fiegl: "Ob es lustig war, kann ich nicht wirklich beurteilen, mich bewegte ernsthaftes Interesse und Herz – und die Antwort ist leider, nein! Den Ausgang des ,Beirats Zukunft´ konnte ich leider nur dem Internet und der Lokalpresse entnehmen. Ich finde es sehr bedenklich, dass die Bevölkerung in große Projekte, welche die Zukunft der Gemeinde Ötz maßgeblich beeinflussen, und dabei ist es für mich völlig irrelevant, ob man für oder wider des jeweiligen Projektes ist, nicht mit eingebunden bzw. informiert oder transparent aufgeklärt wird. Schlagwort: Bürgerbeteiligung. Diese ist ein wichtiger Eckpunkt in meiner Auffassung von Demokratie, denn ein(e) aufgeklärte(r) und mit eingebundene(r) BürgerIn fühlt sich logischerweise mit getroffen Entscheidungen wesentlich wohler!"

LÖ: Fehlende Kommunikationsfähigkeit oder -bereitschaft – und das in Zeiten wie diesen? Wie sieht dies die Lehrmeinung, du hörst während deiner Ausbildung zum Sozialarbeiter sicherlich viel darüber?
Patrick Fiegl: "Die Kommunikation und die Art, wie wir untereinander kommunizieren, steht im stetigen Wandel. Vor allem in den letzten Jahrzehnten hat sich sehr viel getan. Man sollte sich also endlich auch bei uns Gedanken machen, wie und womit man uns Ötzerinnen und Ötzer erreichen kann. Für mich bedeutet das in kommunaler Ebene in erster Linie, vorab Informationen und Transparenz zu vermitteln und nicht erst im Nachhinein Geschehenes zu kommunizieren."

LÖ: Interessante Ansätze, die allerdings ganz offensichtlich in anderen Gemeinden längst Standard sind. Zurück daher zum Thema Skaterplatz. Wie müsste man aus deiner Sicht ein dementsprechendes Projekt richtig aufsetzen?
Patrick Fiegl: "In erster Linie muss es gewollt sein und ein klares Bekenntnis zur Umsetzung geben. Das Ganze ist als Prozess zu sehen, der unter vielen Einflussfaktoren steht, und da bräuchte es innerörtliche Begleitung und Beratung sowie die Mithilfe der Jugend. Meiner Meinung nach wäre auch die Möglichkeit der Multifunktionalität in Betracht zu ziehen (z.B. mehrere Aktivitäten miteinbeziehen, Mehrgenerationenplatz, etc.) um im Idealfall auch eine ganzjährige Nutzbarkeit zu erzielen."

LÖ: Wie siehst du die Entwicklung der jüngsten Tage rund um das Thema Skaterplatz? Wie wird es deiner Meinung nach weiter gehen?
Patrick Fiegl: "Es freut mich, dass das Skaten immer noch so stark im Trend  liegt und es vermutlich noch in Zukunft so sein wird. Wenn man durch den Ort geht, sieht man, mit welch einem Spaß und Begeisterung die Jugend sich bewegt. Eine Petition, initiiert von Schülerinnen und Schülern, ist ja schon entstanden. Die Zeichen der Zeit hätte man allerdings schon längst erkennen können und ich denke, dass dieses Thema auch wieder in den Gemeinderat einziehen wird. Und ach ja, genau, bald sind ja wieder Wahlen ..."

LÖ: Danke für das Gespräch.

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Update (06.04.2021)
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