Man brauchte nur den Fernseher einschalten. Oder eine Zeitung aufschlagen. Seitenweise war dieser Tage zu vernehmen, wie wichtig das neue Gletscherschigebiet Ötztal-Pitztal sei.

Die Rede war von ach so "dankbaren Einheimischen", von einer weiteren Mega-Investition trotz Corona-Winter, der, wenn die Politik nicht versagt hätte, ein "Rekordwinter geworden wäre" etc.

Falkner zeigt damit einmal mehr, welch Geistes Kind er ist. Er denkt nach wie vor in Kategorien, wie sie vor 20 Jahren üblich waren. Und dabei scheint es inzwischen sogar Tourismus-Obmann Mario Gerber geschnallt zu haben. In der TT vom 22.04.2012 gibt er, offensichtlich geläutert, jedenfalls Folgendes von sich: "Man wisse, dass es auch Fehlentwicklun ...

Leider wurde in dem gesamten Tohuwabohu, und das ist das Wichtigste aus unserer Sicht, nicht darüber berichtet, dass uns Ötzerinnen und Ötzern von unserer Gemeindeführung ein "transparenter Prozess mit fortlaufender Information zum Thema Verkehr" versprochen worden ist. Geschehen ist seitdem leider nichts.

Dies lässt den Schluss zu, dass die von Jack Falkner mitfinanzierte Mobilitätsstrategie lediglich als Beruhigungspille gedient hat, damit man jetzt dort weitermachen kann, wo man vor der Pandemie stehen geblieben war: Die Ötzerinnen und Ötzer hat man zwischenzeitlich mit einer vor die Nase gehaltene Karotte ruhig gestellt, jetzt kann man wieder Gas geben.

Kommentar

von Alexander Wolf
Verkehrsreferent LÖ

Es war ja wirklich nur eine Frage der Zeit, bis Jack Falkner von den Sölder Bergbahnen wieder seine Medienorgel anwirft. Und so durften wir vor kurzem nach dem Hinweis, dass ihm „dankbare Einheimische“ für das Offenhalten der Lifte im heurigen Winter „Kuchen gebacken haben“ halt auch vernehmen, dass die Gletscherehe Ötztal-Pitztal nach wie vor en vogue sei.

Aus Sicht der verkehrsgeplagten Vorderötztaler stellt sich die Situation so dar: Nachdem wir zuerst jahrelang nicht gehört wurden und von offizieller Seite offensichtlich erst dann ein Nachdenken gegeben hat, als der Unmut der Bevölkerung wirklich nicht mehr wegzuleugnen war, wurde uns vor mehr als einem halben Jahr vom Ötzer Bürgermeister Falkner ein transparenter Prozess versprochen. Das hörte sich endlich einmal gut an. Aktuell schaut es allerdings wiederum recht traurig aus: Denn nach der Präsentation von einigen Hochglanzbildern herrscht seitdem erneut Schweigen im Walde. Von einer fortlaufenden Information der Bevölkerung über den aktuellen Stand der Dinge, von der angekündigten Homepage etc. – weit und breit nichts zu sehen. Und deshalb wird das Ganze wohl auch nichts werden: Denn die verkehrsgeplagten Vorderötztaler und -innen können sehr wohl zwischen einer vor die Nase gehaltene Karotte, zwischen dem Blauen-vom-Himmel-herunter-beten und der tatsächlichen Faktenlage, dem was wirklich passiert, unterscheiden. Selbstgebackene Kuchen hin oder her.

Werte Herren Falkner & Falkner, LH Günther Platter hat unlängst über eine nachhaltige Zukunftsperspektive für den Tourismus gesprochen. In diesen war unter anderem von „Qualität statt Rekordjagden“ die Rede und von einer „Korrektur von Fehlentwicklungen“. Frage: Müssen diese wohltuenden Worte wirklich sofort konterkariert werden?

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Ps. Inszeniert hat den Falkner´schen Medienrummel Roman Polak.

Söldens Lift-PR-Mann Polak (l.) ist es auch, der die Presseaussendungen zum Beirat Zukunft (Feldring/Schafjoch) gemacht und die Öffentlichkeitsarbeit zur Mobilitätsstrategie inne hat.

Damit hat ein Ötzer Bürgermeister, Namensvetter des Sölder Bergbahnenbosses, erstmals in der Geschichte dieses Ortes nicht direkt mit der Bevölkerung oder der Presse kommuniziert, sondern über den Umweg einer Medienagentur.

Polak ist also der, der die Karotte appetitlich aufbereitet und als "Filter" zwischen den Interessen der Bergbahnen Sölden und den Belastungen im Vordertal agiert. Hier seine Darstellung des Verkehrsthemas. Ebenfalls in Form einer bezahlten Auftragsarbeit, diesmal für den TVB, dessen Aufsichtsratsvorsitzender Jack Falkner ist:

Ortsumfahrung Oetz – Erkenntnisse und nächste Schritte


Polaks Veröffentlichungen zum Beirat Zukunft und zur Mobilitätsstrategie wurden vom Ötzer Bürgermeister Hansjörg Falkner unterschrieben:

Fast schon müßig zu erwähnen, wer die Propaganda für das neue Gletscherschigebiet Ötztal-Pitztal in Form dieser Homepage gemacht hat:

Das Projekt - Pitztal – Ötztal – Chance für zwei Täler
Zwei Tiroler Gletscher, eine starke Verbindung: Die Pitztaler sowie die Ötztaler Gletscherbahnen planen den Zusammenschluss ihrer Skigebiete.

Einmal mehr Polak. Diesmal im Auftrag der Ötztaler Gletscherbahnen, deren Boss Jack Falkner ist. Bleibt die Frage, wer bei dem ganzen Schauspiel eigentlich das Sagen hat und welch großer Plan dahintersteckt.

Irgendwie glaubt man es fast zu wissen.

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Im Forum der TT, in der wenigstens ansatzweise die Meinung der Bevölkerung durchschimmert, erntet die Medieninszenierung von und mit Jack Falkner indes ganz, ganz wenig Begeisterung, hier nachzulesen:

Nur 1 Prozent des Umsatzes in Sölden, Gletscher-Ehe bleibt Ziel | Tiroler Tageszeitung Online
Der Ötztaler Seilbahnunternehmer Jakob Falkner zur Corona-Krise, zum offeneren Kurs der Schweiz und zur Zukunft des T...