Wie sicherlich die meisten Ötzer und Ötzerinnen auf verschiedenen Medienkanälen mitbekommen haben, gab es vor ein paar Tagen einen Eklat bei der Petitionsübergabe vom Kraftwerk Tumpen-Habichen, der hohe Wogen geschlagen hatte.

Wenn man einige Online-Artikel und zusätzlich einige Kommentare der Leser zu der Thematik liest, dann gibt es unterschiedliche Meinungen darüber. Aber es gibt auch einige Leser, die noch immer verzweifelt versuchen diesen schweren "Fauxpas" von Herrn LHStv Geisler öffentlich zu verteidigen, wie zum Beispiel dieser Herr, der zugleich auch ein sehr altbekannter Politiker in Ötz ist:

Discussion-Screenshot_2020-06-05

Die vollständige Diskussion ist auf der Tiroler Tageszeitung – Online zu finden.

Letztendlich ist es ganz gleichgültig wer den Eklat von Herrn Geisler versucht zu verteidigen. Es geht um das Prinzip.
Wir sind nicht mehr in den 1950-igern, 70-igern oder 80-igern, wo über dies noch sehr gern belächelt und darüber hinweg gesehen wurde. Diese Zeiten sind vorbei!
Wir schreiben nun das Jahr 2020 und die Verhaltens- und Umgangsformen in der Politik haben sich geändert, auch gegenüber Frauen (egal welcher Abstammung, polit. Orientierung, etc.). Vor allem eine sehr ranghohe Person wie LHStv Geisler sollte das genau wissen. Darüber hinaus, wenn Politiker offiziell eine Protestbewegung besuchen, dann müssen diese bereits vorher schon darauf eingestellt sein, dass es dort hitzige Debatten, Meinungsunterschiede (die einem nicht passen oder verärgern) auf sie warten. Ansonsten ist man fehl am Platz.

Man muss Herrn LHStv Geisler gratulieren. Durch ihn ist das Ötztal bzw. Ötz wieder bis zur Süddeutschen Zeitung gelangt.[1] Eine bessere (negative) Werbung gibt es nicht!

Der Text im obigen Schnappschuss zeigt auch, dass man a) nicht das Video angesehen hat und b), sich nicht wirklich über die Kritikpunkte vom Naturschutzrechtlichen Bescheid der Tiroler Landesregierung von 2015[2] und der schriftl. Unterlage der Tiroler Landesumweltanwaltschaft von der mündlichen naturschutzrechtlichen Verhandlung von 2013 auseinandergesetzt hat (Auszüge der Verhandlung sind z. B. in [3] zu finden).

Über die Achstürze kann man bis zum Morgengrauen diskutieren und man wird keinen gemeinsamen Zweig finden. Zu unterschiedlich sind die Meinungen darüber.
Es ist korrekt, dass das Kraftwerk einige 100 m oberhalb der Wellerbrücke das Wasser wieder 1:1 in die Ötztaler Ache zuführt, aber reguliert. Fakt ist, durch die regulierte Rückführung des Wassers, ist die Ötztaler Ache kein Wildfluss mehr und verliert somit die "Wettkampftauglichkeit" für den professionellen Kajak-Sport. Darüber hinaus, die geplanten 61 GWh pro Jahr durch das Kraftwerk Tumpen-Habichen entsprechen einer Gesamtsteigerung der Energieversorgung des Landes Tirol nur um 0,88 %.[3:1]

Ein Wasserkraftwerk steht mindestens für 50 bis 100 Jahre. Das werden höchstwahrscheinlich die meisten von uns nicht mehr erleben. Nur ein paar Punkte und Fragen zum Nachdenken für die Zukunft:

  • Viele einheimische Fischarten, darunter auch die Bachforelle, sind in fast allen Tiroler Fließgewässern rückläufig. Im aktuellsten Bescheid vom Landesverwaltungsgericht Tirol (LVWG-T) vom 23.12.2019 ([4], S. 25) wird erklärt, dass an der linken Uferseite von der Wehranlage eine Fischaufstiegshilfe (Vertical-Slot-Pass) geplant wird. Fragen:
    • Wird die tatsächliche Restwassermenge mit künstlicher Wasserzugabe (Dotierung) ausreichend sein, damit die Fische zur Wehranlage hochwandern können?
    • Wie sieht es mit dem Fischabstieg aus? Erfolgt dieser nur über die regelmäßigen Spülungen (Stauklappensenkung) oder geht zwischendurch mal alles durch die drei Francis-Turbinen?
  • Im Naturschutzrechtlichen Bescheid ([2:1], S. 41) wird auch erklärt, dass die Flutwelle bis Ambach reicht, die durch die regelmäßigen Spülungen der Kraftwerksanlage verursacht wird (v. April–Oktober, s. [4:1], S. 19).
    • Im Sommer transportiert die Ötztaler Ache durch die Gletscherschmelze sehr viel Sand und Gesteinsgeschiebe. Fragen:
      • Werden dann im Hochsommer die regelmäßigen Spülungen häufiger durchgeführt?
      • Wie will man Touristen und Einheimische vor einer Flutwelle warnen? Nur durch Warntafeln? Und wie sieht das dann in der Nacht aus?

Somit stellt sich die Frage einmal mehr, wer sich NICHT mit den Unterlagen auseinandergesetzt hat!

Aber wie heißt es doch so schön, "Hinter mir die Sintflut!".

Informationsquellen:


  1. Süddeutsche Zeitung, "Eine Tiroler Beleidigung", URL: https://www.sueddeutsche.de/politik/oesterreich-geisler-luder-sexismus-1.4927846 ↩︎

  2. Naturschutzrechtlicher Bescheid der Tiroler Landesregierung vom 06.03.2015. ↩︎ ↩︎

  3. Riff-Reporter, "Kraftwerksbau im Tiroler Ötztal hat begonnen, obwohl Beschwerden bei Gerichten laufen", URL: https://www.riffreporter.de/flussreporter/kraftwerk-tumpen-habichen/ ↩︎ ↩︎

  4. Bescheid vom Landesverwaltungsgericht Tirol, 23.12.2019, LVwG-2017/44/2062-63. ↩︎ ↩︎


Weitere Hintergrundinformationen, damit zukünftig unüberlegte Kommentare im Internet (hoffentlich) erspart bleiben:

Kraftwerk Tumpen-Habichen
Hinweis: dieser Bericht wurde schon VOR der Aussendung der Gemeinde am 01. April[https://www.oetz.tirol.gv.at/Information_der_Gemeinde_Oetz_3] geschrieben,dadurch ändert sich aber nichts wesentliches. Man kann zum im mittlerweile in Bau befindlichem Kraftwerk Tumpen-Habichenstehen wie man will, …
KW Tumpen-Habichen, angebliche “Unwahrheiten”
Zur Erinnerung, was unser Bürgermeister im Schreiben der Gemeinde Oetz vom01.04.2020 [https://www.oetz.tirol.gv.at/Information_der_Gemeinde_Oetz_3] an dieBevölkerung geschrieben hat. > Nachdem zwischenzeitlich nicht nur über diverse Social Media Plattformen,sondern auch über die regionalen Print…

Quelle Titelbild: WWF / Anton Vorauer