Viel luftiger wirkt sie, die Wellerbrücke auf diesem Bild aus vergangenen Tagen. Das ist aber natürlich nicht nur dem Lichteinfall geschuldet, auf das der Fotograph einst geduldig und meisterhaft gewartet hat, und zwar so lange, bis die Sonnenstrahlen die filigrane Begrenzung als Schatten auf dem Holzboden nachgezeichnet haben.

Heute würde für so eine behelfsmäßiges Geländer natürlich längst keine Genehmigung mehr erteilt. In früheren Zeiten nahm es man es damit offensichtlich noch nicht so genau: Wo heute alles dicht beplankt und mit dicken Balken als Handlauf verschraubt ist, genügten vor 70 Jahren noch zwei dünne Querholme ...

Bezeichnend für diese etwas andere Einstellung dem Sicherheitsthema gegenüber dürfte auf der alten Aufnahme auch die Inschrift auf dem linken Felsen sein, die mit "Wer Ordnung hat in seinem Leben, der ..."  beginnt. Der Rest ist nicht zu entschlüsseln*, dürfte aber wohl vom Gottvertrauen handeln, das man vor sieben Jahrzehnten dringender als heute benötigte.

Baulich sticht ins Auge, dass die Wellerbrücke in der Mitte der 1950er Jahre noch zweigeteilt gewesen war. Der rechte Bereich (bis zum Auflager auf dem großen Felsbrocken) war niedriger ausgeführt als der Rest. Auch verläuft die Brücke heute insgesamt höher als damals, was an dem aufgestockten Betonfundament zu erkennen ist. Schuld daran sind sicherlich die Hochwässer, wie jenes des Jahres 1987, welche die Brücke beschädigten und teilweise auch einen Neubau notwendig machten.

Wohl unter dem Gesichtspunkt der Hochwässer ist auch zu erkennen, dass der Bereich rechts des Auflagerfelsens früher nicht vom Wasser durchströmt worden ist. Heute sehr wohl. Und wer ganz genau hinschaut, der wird feststellen, wie selbst an dem so harten und gröbsten Gesteinsbrocken im Bett der Ache der Zahn der Zeit nagt. Unaufhörlich wird vom Wasser und seinen mitgeführten Schwebe- und Geschiebematerial Stück für Stück abgetragen, so lange, bis eines Tages einmal gar nichts mehr vorhanden sein wird ...  

Für das menschliche Auge sind derartige Veränderungen ohne einen vergleichenden Blick auf Fotos aus unterschiedlichen Epochen natürlich nicht wahrnehmbar. Schaut man sich allerdings den Untergrund im Bereich des Boulder-Areals (taleinwärts von der Wellerbrücke aus auf der linken Seite) an, so erkennt man, dass das Wasser nach dem Habicher Bergsturz vor einigen tausend Jahren gut 20 Meter höher geflossen ist.

Interessantes zum ersten Bau der Wellerbrücke und die touristischen Rahmenbedingungen mit spektakulären Sprengungen im Achbett möglicherweise ein andermal. Vielleicht auch einmal, wie sich manche mit ihren skurrilen Beschreibungen der Wellerbrücke der Lächerlichkeit aussetzen. (best)  

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* Kennt jemand zufällig die ganze Inschrift oder kann sie auf dem Foto weiter entziffern?