Wir leben ja wirklich an einem wunderschönen Ort, ein Ort, um den uns viele beneiden und in dem noch viele mehr gern einen ruhigen Urlaub verbringen wollen. Jeder ist sich dessen bewusst, wenn er aus seinem Fenster blickt. In Zeiten der Pandemie und der uns auferlegten eingeschränkten Mobilität, haben wir gelernt, die eigenen vier Wände und den eigenen Garten zu genießen. Das Virus hat uns wieder etwas bescheidener gemacht, hat uns gewissermaßen wieder ein wenig geerdet. Und es hat uns gelernt, uns mehr miteinander abzugeben und mehr zu kommunizieren. Leider funktioniert die Kommunikation nur bei geschlossenem Fenster, da man sein Gegenüber sonst nicht versteht und auch die Terrasse ist selbst in „verkehrsberuhigten“ Zeiten wie diesen nur annähernd ein Ort der Entspannung.

Eigentlich sollten wir uns jetzt angesichts der überraschenden Einsicht unserer Gemeindeväter bezüglich der „alternativlosen“ Umfahrung von Ötz befriedigt und entspannt zurücklehnen können, aber irgendwie will sich diese Erleichterung nicht so richtig einstellen. Warum ist das so? Die Spekulationen über die Gründe dieses Sinneswandels, vor allem auch angesichts der anstehenden Gemeinderatswahlen im kommenden Jahr, wollen nicht enden.

Foto eines Zeitungsberichtes anlässlich einer Diskussion in Imst über die mittlerweile auf Eis gelegte Gletscherehe Ötztal-Pitztal. In den Einreichunterlagen war dazu zu lesen gewesen, dass die Verkehrsinfrastruktur in Ötz bereits seit Jahren überlastet ist. Also noch vor dem Bau eines weiteren Schigebietes.

Ist es Kalkül, um der aufkeimenden Opposition innerhalb der Gemeinde ein bisschen den Wind aus den Segeln zu nehmen, oder ist es der „Wind aus dem Hintertal“, wo man mit einer Verkehrsentlastung im vorderen Ötztal eines der vielen Gegenargumente gegen die geplante Gletscherehe vom Tisch haben will? Ist es ein süßes Zuckerl, in dessen Nachgeschmack eine erneute Diskussion über den Zusammenschluss Hochötz-Kühtai nicht ganz so sauer aufstößt? Oder ist es wirklich – und man will es irgendwie nur in seinen kühnsten Träumen annehmen – wirklich eine "Mutation" (ein viel strapazierter Begriff in Zeiten von Corona) unserer politisch Verantwortlichen? Ist es die Wandlung vom Saulus zum Paulus?

Bereits 2015 hat eine Onlineumfrage auf dynamoetz das Ergebnis zutage gefördert, dass man sich in Ötz unbedingt des Verkehrsthemas annehmen sollte. 95 % stimmten damals für Ja, nur 5 % dagegen. 

Wir können diese Fragen zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten und müssen uns einstweilen mit schönen Schlagworten und noch schöneren Zeichnungen auf Hochglanzbroschüren zufrieden geben.

Ebenfalls bereits aus dem Jahr 2015: Die Präsentation einer verkehrsberuhigten Zone in Ötz. Fünf Jahre später präsentierten unsere derzeit politisch Verantwortlichen vergangenen Herbst einen ähnlichen Entwurf, der nur minimal von diesem hier abweicht.

Wir würden gern die Unsicherheit und die Zweifel bezüglich des Sinneswandels der Gemeindeführung hinter uns lassen, aber seit der großartigen Verlautbarung im letzten Oktober scheint das Projekt vorerst einmal in einer Schublade verschwunden zu sein. Zumindest sieht es für den Bürger, der kein Ohr innerhalb der Gemeindestube besitzt, so aus.

Was wir alle wollen, was wir alle brauchen, um wirklich daran glauben zu können, ist mehr Information, wie es nun wirklich weitergeht. Wie ist der derzeitige Stand der Dinge? Wann ist mit einer Machbarkeitsstudie zu rechnen? Wie sieht der weitere zeitliche Fahrplan aus? Alles Fragen, die sich der kleine Gemeindebürger stellt, der ja wirklich daran glauben möchte, dass die Gemeindeführung nur das Beste für die ÖtzerInnen will.

Lange Zeit war die Verkehrsbelastung in Ötz offiziell kein Thema. Und jetzt? Jetzt, nachdem die Ötzerinnen und Ötzer auf die Barrikaden gestiegen sind, ist es eines. Aber: Wie geht es jetzt weiter? Man weiß es nicht, denn seit einem halben Jahr herrscht wieder Schweigen. 

Angesichts der vielen Jahre, in denen z.B. in Sölden oder in Tarrenz über eine Umfahrung "nachgedacht" wird, stellt sich noch eine letzte Frage: Bedeutet Mobilitätsstrategie 2030, dass man sich bis 2030 Gedanken über eine Verkehrsentlastung des Dorfes macht, oder kann man wirklich darauf hoffen, dass man sich in absehbarer Zeit wieder bei geöffnetem Fenster unterhalten wird können?