Der Neid könnte einen auffressen. Wie auch dieser Tage wieder. Da wird berichtet, wie die Gemeinde Prutz im "Wettstreit der Dörfer" Gold abgeräumt hat. Insgesamt seien dort, so liest man, "durch eine Vielzahl an lokalen Maßnahmen adäquate Antworten auf globale Herausforderungen gegeben worden". Unter anderem wird die "umfassende dörfliche Entwicklung" gelobt, gleichwohl die "zahlreichen Revitalisierungsprogramme im verkehrsberuhigten Ortszentrum" sowie "die kulturellen Aktivitäten" und "die Einbindung junger Menschen".

Es ist nicht lange her, 2016 war´s genaugenommen, da hat Fließ den Gesamtwettbewerb des Europäischen Dorferneuerungspreises gewonnen. Damals war es in der Nachbargemeinde von Prutz unter anderem um die vorbildliche Bürgerbeteiligung beim Bau des neuen Gemeindezentrums gegangen, die diametral entgegengesetzt zur Errichtung des Gemeindehauses in Ötz abgelaufen ist.

Ötz nicht einmal unter "ferner liefen"

Man hat sich grundsätzlich leider schon längst daran gewöhnt. Gewöhnen müssen!  Wann immer es im Lande irgendeine Initiative gegeben hat, sei es etwa die "Einbindung der Jugend oder der Zugezogenen und dem Zusammenführen der Dorfgemeinschaft", sei es in der Umwelt- und Energiepolitik ("e5" / "Klimabündnisgemeinde" etc.) oder auch nur in so kleinen Dingen wie "Blumenwiesen für Bienen"/"Regenwassernutzung" – eines konnte man sich in den vergangenen Jahren jeweils sicher sein: Ötz war niemals in einer Liste der teilnehmenden Gemeinden zu finden. Abgesehen einmal von der (touristischen) Selbstbeweihräucherung, wonach man jetzt nach zwei mehr oder weniger erfolgreichen Zusammenkünften urplötzlich eine "familienfreundlichen Gemeinde" sei. Bezeichnend? Oder nicht?

Nun kann man als neutraler Beobachter nur gespannt sein, was uns in den kommenden Wochen und Monaten wieder für Versprechungen ins Haus flattern werden. Sei es im Gemeindeboten, als Postwurf oder als bezahlte Anzeigen in der Presse. Letztes Mal hat es, um nur ein Beispiel zu nennen, so ausgesehen:

Dazu unsere heutige Heimleser-Frage: Wie viele Quadratmeter PV-Anlagen hat unsere Gemeindeführung in der "absehbaren Zeit" der vergangenen sechs Jahre auf "mehreren Kommunalgebäuden" errichtet?

Die richtige Antwort lautet: Null Komma Josef.

Nur sinnbildlich

Der an dieser Stelle vermutete Murks um die Photovoltaik-Bestrebungen ist aber nur sinnbildlich für das große Ganze. Oder etwa nicht? Wo ein Leitbild fehlt, braucht man sich auch nicht wundern, wenn es bei der Mobilitätsfrage heißt, man müsse ortsintern nur ja jede Möglichkeit nützen, um zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren; keine zwei Monate später allerdings, man wolle die Arztpraxis ausgerechnet am Ortsrand haben! Aktionismus pur ohne jegliche Zusammenschau? Oder ist es anders zu sehen? Läuft alles nach einem großen Plan ab, der einfach nur nicht kommuniziert wird?

wird daher die wahlwerbenden Gruppierungen zur Ötzer Gemeinderatswahl zu bestimmten Themen befragen und dabei, wie es sich gehört, eine neutrale Position einnehmen. Vielleicht kommen dadurch Ansätze zu einer Trendwende (zuletzt hat der amtierende Bürgermeister ja zumindest einmal eingestanden, dass man etwa bei der Frage des Skaterplatzes bis heuer "halbherzig am Weg" gewesen sei) oder neue Inputs zutage. Oder es wird geklärt, dass ohnehin alles bestens ist. Somit werden wir uns auf jeden Fall ein besseres Bild machen können, als wenn wir nur (wieder) reine Wahlpropaganda ohne jeglichen Diskurs vorgesetzt bekommen.

(best)  

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Ganzer Artikel hier nachzulesen:

Gemeinde Prutz glänzt im Wettstreit der Dörfer und holt Gold | Tiroler Tageszeitung Online
Beim Europäischen Dorferneuerungspreis werden die schönsten Gemeinden Europas gekürt – Prutz hatte ein goldenes Händc...