Vor einigen Wochen wurde an dieser Stelle angeregt, man könnte doch in Tirol die Errichtung von dezentralen Biogasanlagen andenken. Der Artikel dazu war der:

Denn das Gute liegt (vielleicht) so nah
Uns bleibt offensichtlich nicht mehr viel Zeit, die Klimakatastrophe abzuwenden. Also: Ärmel hochkrempeln! – Und wenn schon, warum nicht gleich auch mit Benefit für Landwirtschaft, Tourismus und lokale Bevölkerung?

Die Frage war, was die Verantwortlichen von dieser Idee halten und die Reaktionen dazu waren diese (geordnet nach dem Zeitpunkt des Einlangens):

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Hallo Bernhard,

danke fürs Nachdenken - wie immer. Ich habe im Landtag im Vorjahr bereits eine Initiative zum Thema Biogas eingebracht, bei dem die TIGAS aufgefordert wurde genau in diese Richtung tätig zu werden, nämlich das fossile Erdgas zu reduzieren und Biogas auszubauen. Das kann aus Kläranlagen ebenso erfolgen wie aus landwirtschaftlichen Abfällen wie in deinem Beispiel. Hier ist noch nicht so viel weiter gegangen wie ich gerne hätte, aber ich bleibe an der Sache dran!

Liebe Grüße,
Gebi Mair

KO Grüne

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Lieber Bernhard!

Wir als „Die neue SPÖ Tirol“ sehen in der regionalen Energieerzeugung und -vermarktung eine große Chance für unser Land. In diesem Sinne setzen wir uns seit vielen Jahren für den Ausbau der Wasserkraft, insbesondere bei kleinen Flusskraftwerken ein. Damit alleine, wird uns der energiepolitische Wandel hin zur nachhaltigen Erzeugung nicht gelingen. Dafür braucht es unterschiedliche regionale Erzeugungskonzepte und mittelfristig auch eine Neugestaltung der Netzinfrastruktur.

Biogas bietet eine sehr gute Möglichkeit, um biologische Abfallprodukte - namentlich Lebensmittel und Agrarabfälle - regional zu verwerten und damit die Energiewirtschaft in der Region zu stärken. Gleichzeitig können durch solche dezentralen Erzeugungskonzepte die Energiekosten für die Kommunen und die Menschen vor Ort deutlich reduziert werden - insbesondere durch die intelligente Kombination mit intelligenten Netzen, Photovoltaikanlagen und Wasserkraftwerken.

Damit das gelingt, müssen wir die Energieversorgung in unserem Land insgesamt thematisieren und dabei die Frage stellen, welche technologische Neuerungen bzw. welche Technologiekombinationen dazu in der Lage sind, eine verlässlichen, stabile und kostengünstige Versorgung der Region mit Energie aus der Region zu gewährleisten. Das muss aus unserer Sicht das oberste Ziel einer zukunftsorientierten Energiepolitik sein: Die nachhaltige und kostengünstige regionale Erzeugung und Verwertung von Energie.

Biogas kann dabei eine zentrale Rolle spielen - insbesondere, wenn die Reststoffe aus der Region für die Versorgung der Region genutzt werden. Insofern begrüßen wir den Vorstoß für die Errichtung von dezentralen Biogasanlagen zur energetischen Nutzung von organischen Reststoffen ausdrücklich und nehmen gerne an einer weiterführenden Diskussion zu dem Thema teil.

Beste Grüße
Georg Dornauer

Landesparteivorsitzender SPÖ

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Klimaschutz ist Menschenschutz! Es ist daher klar, dass auch in Tirol viel mehr im Bereich Umwelt-, Natur- und Klimaschutz zu tun ist. Da ist jeder einzelne von uns gefordert und es ist die Politik gefordert, entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen sowie Fördermodelle auf den Weg zu bringen.

Es gibt einige Biogas-Anlagen in Tirol (Schlitters etc.) und auch die TIGAS behauptet auf Biogas zu setzen. Wie bio ist jetzt Biogas? Es ist absurd, dass die schwarz-grüne Platter-Regierung und das Landesunternehmen TIGAS (86% Land, 14% Innsbrucker Kommunalbetriebe) darüber streiten anstatt gemeinsam einen vernünftigen Weg einzuschlagen, um künftig mehr grünes Gas in Tirol zu verwenden. Fakt ist, die TIGAS hat ein recht dichtes Leitungsnetz in weiten Teilen Tirols, das sich künftig sehr gut verwenden lässt. Rohstoffe für grünes Gas sollte es in Tirol auch jede Menge geben, etwa alleine die Tonnen an Bioabfall aus der Gastronomie.

Wir als Liste Fritz bringen im Tiroler Landtag immer wieder Ideen für mehr Umwelt- und Klimaschutz ein, etwa ein eigenes Klimaschutzjahr in Tirol, Photovoltaik auf allen bestehenden und geeigneten Dächern öffentlicher Gebäude, Eindämmung des Bodenfraßes durch eine Quadratmeter-Obergrenze für Chaletdörfer oder Stopp der Bodenversiegelung, indem Supermark- und Parkplatzflächen durch Aufstockung oder Überbauung besser genützt und nicht noch mehr grüne Wiese zubetoniert werden soll. Leider für die Tiroler blockieren ÖVP und Grüne die allermeisten Ideen ohne freilich selbst andere, bessere Ideen zu haben!

Gruß
Markus Sint
Liste Fritz

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Die Zielsetzung des Landes Tirol - Energieautonomie bis 2050 - wird nur gelingen, wenn wir baldmöglichst auf fossiles Gas im Energiemix verzichten können und dadurch, neben den ökologischen Vorzügen, auch unabhängig von Importen werden. Doch Biogas wird unseren derzeitigen Bedarf nicht zur Gänze decken können, weshalb bestehende Erdgasheizungen primär durch Biomasse (Pellets) oder Wärmepumpen etc. ersetzt werden sollten - hier muss vor allem auf Effizienz gesetzt werden.

Das bedeutet aber keineswegs, das Biogas keine Rolle spielen wird. Die Nutzung von Biogas aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten in dezentralen Anlagen muss dort wo es sinnhaft ist genutzt und forciert werden. Während in Bayern über 2.500 Biogasanlagen betrieben werden kommt Tirol nicht über einen Anteil von 1-2 Prozent beim Bio-Gas hinaus - es besteht jedenfalls Handlungsbedarf.

Die vorhandene Infrastruktur 1:1 mit biogenem Brenngas zu ersetzen wird nicht funktionieren, als Ergänzung in einem nachhaltigen Strom-Mix darf aber künftig auch auf Biogas nicht verzichtet werden. Seit Jahren wird von der (Bundes-)Regierung versprochen, die strategischen Fragen sowie Fragen nach der Entwicklung der Infrastruktur und regulatorischen Weichen für die kommenden Jahrzehnte zu beantworten. Wir NEOS fordern hier deutlich beherzteres Handeln!

Freundliche Grüße aus dem NEOS-Landtagsklub,
Martin Eichinger

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Zusammenfassung: Vier von fünf eingeladenen, politische Parteien haben es der Mühe wert gefunden, sich den Vorschlag anzuschauen und Stellung zu beziehen. Keine Antwort kam von der ÖVP(*). Nachdem sich aber alle anderen durchaus positiv zu einem möglichen Biogas-Projekt geäußert haben, liegt es nun an den Verantwortlichen, hier tatsächlich etwas weiter zu bringen, zumal auch die Tigas und ein namhafter Gaslieferant wissen haben lassen, dass sie bereits eine Taskforce eingerichtet hätten. In diesem- und der Umwelt Sinne: Gutes Gelingen!

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Eine Reaktion aus der treuen Leserschaft ist zuletzt auch in einem anderen Zusammenhang gekommen, und zwar zu diesem Artikel:

Faktencheck & Leserpost
Heute ein kleines Sammelsurium. Einfach wieder einmal ein Faktencheck ohne weiteren Kommentar sowie Infos bzw. Anregungen aus der Leserschaft.


Geschrieben hat der Bürgermeister von Sautens. Fredi Köll meinte, sicherlich auf den im Bericht thematisierten, möglichen naturnahen Bau des Ötztaler Golfplatzes gemünzt:


Guten Morgen Bernhard,

danke für den interessanten Faktencheck. Da ist schon was Interessantes für uns dabei, super!

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Danke für die Feedbacks!

(best)

(* Hier ist also aufgrund der Erkenntnisse der Vergangenheit zu befürchten, dass sich demnächst ein ÖVP-ler vor die Presse stellt und meint, ihm sei etwas eingefallen: Man könne doch in Tirol dezentrale Biogasanlagen errichten und diese mit Rohstoffen aus der Landwirtschaft beschicken ... )

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UPDATE, 03.12.2021

Nun ist auch eine Stellungnahme der ÖVP eingetroffen. Hier der Wortlaut der Landwirtschaftskammer:


Sehr geehrte Damen und Herren!

Hiermit kommen wir Ihrer Bitte um Stellungnahme zu den Vorschlägen auf der Website: https://www.lebenswertesoetz.at/hochste-zeit-zu-handeln/ nach:
1. Reduktion Methan – Verweis Ihrerseits auf https://science.orf.at/stories/3209507

Auszug aus dem Umweltschutzbericht des Umweltbundesamtes 2020
Sektor Landwirtschaft:
„Die Pro-Kopf-THG-Emissionen der Landwirtschaft konnten im Vergleich zu 1990 in allen Bundesländern gesenkt werden. Dies ist in erster Linie auf die Rinderhaltung zurückzuführen, deren Viehbestand deutlich zurückging.“

Sektor Verkehr
Für den Sektor Verkehr ist in allen Bundesländern seit 1990 eine Zunahme der Treibhausgas-Emissionen pro Kopf zu verzeichnen. Neben den steigenden Fahrleistungen im Inland wirkt sich hier auch der im Vergleich zu 1990 vermehrte Kraftstoffexport aus, bedingt durch günstige Kraftstoffpreise in
Österreich. Der Landwirtschaftskammer Tirol bekennt sich zum Ziel der Begrenzung des menschlich bedingten Temperaturanstiegs auf 1,5°C.
Tirol ist jedoch aufgrund seiner natürlichen Gegebenheiten auf die Nutzung der Dauergrünlandflächen durch den Wiederkäuer angewiesen: Rund 100.000 Hektar Dauergrünland und rund 380.000 Hektar Almflächen können nur von Wiederkäuern sinnvoll verwertet werden.


2. Die Ziele der Landwirtschaft hinsichtlich der NEC - Reduktionsziele (NEC Richtlinie) Fütterung
Durch Optimierung der Grundfutterqualitäten und durch an die Futtermitteluntersuchungsergebnisse angepasste Rationsgestaltung können Eiweißüberschüsse vermieden werden und somit die Stickstoffausscheidungen effizient reduziert werden.
Die Fütterungsberatung der LK Tirol bietet den Bauern Hilfestellung bei der Rationsgestaltung und Verbesserung der Grundfutterqualitäten.

Stall
Neben der Ausbringung und Lagerung von Wirtschaftsdüngern kommt es vor allem im Bereich der Stallhaltung zu erheblichen Emissionen. Als wichtigste Regel gilt hierbei die Sauberkeit aller von den Tieren benutzten Lauf- und Auslaufflächen. Dies kann zum Beispiel in der Rinderhaltung durch Erhö-
hung der Schieberfrequenz, automatische Spaltenreiniger und durch Optimierung des Stallklimas (Lüftung, Temperatur, etc.) erreicht werden.
Die geringsten Emissionen fallen in der Kombinationshaltung an. Dieses Haltungssystem ist bei vielen Betrieben in Tirol noch Standard. Die Umstellung auf Laufstallhaltung konterkariert allerdings das Ziel der NEC Richtlinie.

Weidehaltung
Die Weidehaltung ist hinsichtlich der THG und Ammoniak Emissionen die günstigste Tierhaltungsform: Bei der Ausscheidung auf der Weide werden Harn und Kot räumlich getrennt abgesetzt. Der Harn kann rasch in den Boden einsickern. Das aus der Harnstoffspaltung resultierende Ammoniak
wird als Ammonium an Bodenpartikel gebunden und kann dadurch nicht freigesetzt werden. Je länger die Tiere auf der Weide stehen, desto besser für die Umwelt. Einen wesentlichen Teil zur Emissionsminderung trägt somit die Almwirtschaft bei.


Düngerlagerung
Bei der Lagerung von flüssigen Wirtschaftsdüngern gilt generell, abgedeckte Gruben (Betondecke, Zeltdach, Folie, Plastikschwimmkörper) sind emissionsärmer als offene Gruben. Werden neue Wirtschaftsdüngerlager geplant, liegt der Fokus auf abgedeckten Gruben. Zudem werden nur abgedeckte
Gruben gefördert. Offene Güllegruben sind in Tirol ohnehin kaum vorhanden, wir gehen von einem Anteil von <1% aus.


Düngerausbringung
Mit mehr als 40 % Anteil trägt die Wirtschaftsdüngerausbringung einen wesentlichen Teil zur Ammoniakemission bei. NH3-Verluste lassen sich am besten durch bodennahe Ausbringung (Schleppschlauch, Schleppschuh, Injektion) von Wirtschaftsdüngern reduzieren. Nachteil dieser Techniken sind einerseits die hohen Anschaffungskosten, welche durch Maschinengemeinschaften kompensiert werden können, andererseits die relativ hohen Eigengewichte dieser Maschinen. Eine Alternative zu den hohen Einsatzgewichten ist die bodennahe Ausbringung mittels Gülleverschlauchung, welche durch mobile Feldspeicher nicht mehr nur von arrondierten Betrieben eingesetzt werden können. Entscheidend für die oben genannten Ausbringverfahren ist auch die entsprechende Vorbehandlung der
Gülle, wie zum Beispiel die Verdünnung. Hier wird allerdings erst ab einem Verdünnungsgrad von 1:1 eine Ammoniakreduktion um 30 % erzielt. Zur Reduktion der Trockenmasse-Gehalte der Gülle können auch Gülleseparatoren angeschafft werden. Der flüssige Anteil der Gülle (nach dem Separieren) erleichtert die Ausbringung und wirkt sich positiv auf eine rasche Aufnahme durch den Boden aus.
Bereits im Jahr 2020 wurde eine Initiative zur Forcierung von Güllefässern zur bodennahen Ausbringung gestartet. Seitdem sind 66 Güllefässer zur bodennahen Ausbringung neu angeschafft bzw. umgerüstet worden (Stand 24 November 2021)


3. Grünes Biogas im Gasnetz
Heuer wurde die Arbeitsgruppe „Biogas Task Force Tirol“ installiert. Diese Arbeitsgruppe, bestehend aus den Stakeholdern TIGAS, Uni Innsbruck, Landwirtschaftskammer Tirol u.v.a arbeitet an der Umsetzung von Anlagen, ähnlich der in Sterzing welche grünes Gas und sogar Harnstoff (AdBlue - Zusatz für moderne Diesemotoren) aus der Gülle produziert.

Bereits im Jahr 2018 wurde durch die Wasser Tirol GmbH das Potential der Fossil-Free Future untersucht. Die Landwirtschaftskammer Tirol lieferte hierfür wertvolle Daten.
Realistisch ist jedoch, dass nur ein geringer Teil der verwendeten Energie aus grünem Biogas stammen können.
Bericht: https://www.wassertirol.at/fileadmin/user_upload/Wasser_Tirol_-_Dienstleistungs-GmbH/Unternehmen/News/2020/20-10-27_Ver%C3%B6ffentlichung_-_Tyrol_2050_-_Scenarios_of_a_FossilFree_Future/2638_STREICHER-et-al_2020_EuroSun-2020.pdf

Mit freundlichen Grüßen
NR Ing. Josef Hechenberger

Präsident

Mag. Ferdinand Grüner
Kammerdirektor