Obiger Plan einer verkehrsberuhigten Zone in Ötz ist vor fünf Jahren auf dynamoetz veröffentlicht worden. Er war Bestandteil der Umfahrungsidee und zeigt, gelb markiert, jenen Bereich, welcher uns auch vergangene Woche erneut als Lösung für die Zukunft des Ortszentrums präsentiert wurde.

Die von unseren Verantwortlichen auf der Gemeindehomepage veröffentlichte Darstellung sieht so aus:

Man sieht: Es wurde nur ein wenig die Farbe verändert. Was früher gelb war, ist jetzt grau. Neu dazugekommen sind lediglich drei kleine Beschriftungen und drei winzige, rote Punkte. Ob man den Gemeindeparkplatz zur Begegnungszone dazurechnet oder nicht, ist Geschmackssache. Sonst ist alles 1:1 beim alten.

Diesen vier Herren war es vergangene Woche nicht zu blöd, vor die Presse zu treten und die Idee einer Begegnungszone in unserer Gemeinde urplötzlich als die ihrige auszugeben:

Wie lautete 2015 der dazugehörige Text?

Nur der Vollständigkeit halber auch noch der Text von damals, weil es ja leicht sein könnte, dass auch ihn bald jemand als seine eigene Idee verkaufen will. Oder teilweise bereits getan hat, wenn man sich den Namen der derzeit laufenden Aktion "2030" anschaut. Hier also die auf dynamoetz erschienenen Originalzeilen vom 08. Jänner 2015:

Wir befinden uns im Jahr 2030! Soeben ist die Ötzer Bürgermeisterin ans Rednerpult getreten. "Vor etwa 15 Jahren", so spricht sie, "haben sich die Bürgerinnen und Bürger von Ötz klugerweise gesagt, wir verdrängen jetzt einfach nicht mehr länger das Verkehrsproblem! Die Menschen hoben den Kopf aus dem Sand und sagten sich, wir sehen das Problem jetzt einfach kurzerhand als Chance! Also wurde ab 2015 intensiv über den Verkehr geredet. So machte man sich im Rahmen des Projektes "Zwanzig-dreißig" Gedanken. Statt zu verdrängen, sammelte man viele Ideen. Klugerweise verbanden die Menschen bereits damals das Notwendige mit dem Nützlichen und schufen dadurch einerseits die heute realisierte Verkehrsentlastung, andererseits aber auch einen unbezahlbaren Mehrwert für die Gemeinde."
Die überglückliche und sichtlich gerührte Ötzer Gemeindechefin holt einmal tief Luft, setzt ein breites Lächeln auf und fährt fort: "Somit können wir heute mitten in diesem wunderbaren und einmaligen Dorfzentrum feiern, um den uns nun das ganze Land beneidet! Die Menschen haben ab sofort wieder Platz zum Leben und die Gäste stürmen geradezu unseren Dorfkern! Das, was früher die Autos waren, sind jetzt menschliche Individuen, die durch unseren Ort spazieren! Es ist einzigartig, was hier entstanden ist. Es ist mir daher eine riesige Freude, sowohl die neue Verkehrslösung als auch den wunderbaren neuen Dorfplatz zusammen mit der überaus attraktiven Fußgängerzone ihrer Bestimmung
und vor allem der Bevölkerung von Ötz zum Leben und Wohlfühlen übergeben zu können!" Tosender Applaus!

(...) Die vielen Besucher schlendern über das Steinpflaster durch den neu gestalteten Platz am Dach der Parkgarage direkt in das Zentrum des Ortes, das damit endlich seinen Namen verdient hat. Ötz hat seine Mitte gefunden! Das, was bisher ein Problem war (= Verkehr), ist der Schlüssel für eine atemberaubende Lösung geworden! Gäste finden unseren Ort wieder attraktiv und buchen sich die Finger wund. Das Meran Nordtirols hat das Meran Südtirols in Sachen Kreativität in den Schatten gestellt. Wir Ötzer sind die Besten! "Schützen! Hoch an!"

(best, 08.01.2015)

Dies war also der Text von damals. Und was fällt unseren Verkehrsgurus heute sonst noch so alles ein?

Nicht einmal die einfachsten Zahlen stimmen

Auf Seite 1 und im Inneren des Postwurfes, der vergangene Woche in die Ötzer Haushalte flatterte, schreiben sie:


14.200 Fahrzeuge würden unseren Ort passieren, vernimmt man. – Liebe Leute, es an Peinlichkeit eigentlich nicht zu überbieten, aber unsere selbsternannten Mobilitätsexperten, -problemlöser und großspurigen Visionäre sind doch tatsächlich nicht einmal dazu in der Lage, die öffentlich einsehbare Statistik des Landes Tirol richtig zu interpretieren: Diese weist nämlich für 2019 einen Jahrestagesdurchschnittswert (JDTV) von 14.366 Kfz/24 h aus. Und der vermeintlich nicht allzu große Unterschied macht im Jahr beachtliche 61.000 zusätzliche Fahrten aus. Aber um diesen Wert kann man sich schon einmal verrechnen, nicht wahr? Vor allem, wenn man ein Verkehrsexperte ist. Der Spitzenmonatsdurchschnitt des Jahres 2019 lag im August übrigens bei 16.284 Kfz/24 h.
(Nachzulesen hier: https://verkehrsinformation.tirol.gv.at/web/html/vde.html,
siehe unter Verkehrsstatistik, Zählstelle Ötz)

Idee und Plan Plagiate? Die Landesstatistik nicht sinnerfassend lesen können! Braucht es auch nur noch ein einziges weiteres Wort? Oder ist spätestens damit wirklich alles gesagt?