Zwischenbilanz

Vor rund einem Jahr haben wir uns dem Thema Investorenmodelle gewidmet. Der Anlass dazu war die Errichtung des All-Suite Resort Ötztal im Örlachweg und einige Appartementhäuser, die später folgten. Die weltweit anhaltende Corona-Krise mit ihren Lockdowns hat die Wirtschaft angeschlagen und überschattet dadurch andere Probleme, die nun im Hintergrund "still" weiterlaufen.

Aber wie sieht die aktuelle Zwischenbilanz aus? Wie ist der aktuelle Stand?

Es waren mehrere Modelle, die uns vor rund einem Jahr die Haare zu Berge stehen ließen. Insgesamt wurden drei Projekte realisiert, eines wurde zurückgezogen und bei den anderen ist es ungewiss, ob sie jemals realisiert werden.

Wenn man die aktuellen Investorenmodelle ansieht, so blickt man auf "Licht- und Schattenseiten". Eigentlich auf viel mehr Schattenseiten, aber immerhin konnte bei einem Projekt das Gröbste abgewendet werden. Aber trotz der Corona-Krise schreitet der Ausverkauf der Heimat still und schleichend voran – nur nicht mehr so schnell wie vor der Krise.

Im Allgemeinen haben alle Buy-To-Let-Modelle eines gemeinsam, dass diese Art von Investitionen als "Kapitalanlage" alles andere als krisensicher sind! Im Gegenteil, sie sind hochriskant – "high yields, high risks"!
Dies hebt nun die Corona-Krise besonders deutlich hervor. Aber bereits vor der Corona-Krise war eine Investition in ein Buy-To-Let-Modell ein sehr riskantes Spiel, das mit der Betreibergesellschaft steht oder fällt. Nicht selten werden diese Appartements von den Eigentümern auch als versteckte Freizeitwohnsitze zweckentfremdet, die dann in der Zwischenzeit häufig leer stehen ("kalte Betten").

All-Suite Resort Ötztal

Das All-Suite Resort Ötztal ist eines der größten Investorenmodelle in Tirol. In der Zwischenzeit, seit der Eröffnung im Sommer 2019, fanden einige Wechsel im Management statt. Aber auch beim öffentlich zugänglichen Bistro (kleine Gastronomie) gab es einen Führungswechsel, bevor es bereits vor den ersten Corona-Maßnahmen geschlossen wurde. Nun wird versucht für das Bistro einen geeigneten Pächter zu finden. Auch lange vor der Corona-Krise konnten nicht alle Appartements an Investoren verkauft werden und die Projektbetreiber bleiben nun mehr oder weniger auf den restlichen Wohnungen sitzen (vgl. immobilienintirol.de/immobilien-oetztal-kaufen).

Wir glauben daher weiterhin, dass dieses Modell unsere örtlichen Bemühungen langfristig nicht weiter bringen wird.

Apartpandora

Das Apartpandora (www.apartpandora.at) ist ein Appartementhaus im Oberfeldweg (Bild 1) und wurde von einem Schweizer Investor zusammen mit seinen Stieftöchtern errichtet. Hier haben sich unsere Befürchtungen mehr als nur bestätigt. Im August wurden alle acht Wohnungen im Internet zum Verkauf angeboten (Bild 2), mit einem Gesamtkaufpreis von 2.800.000 Euro (exkl. 3,6% Maklerprovision). Das sind rund 1,3 Millionen Euro mehr als wir vor einem Jahr als Errichtungskosten schätzten. Somit ist dokumentiert, dass es hier von Anfang an nicht um einen touristischen Impuls gegangen ist, sondern nur um den schnellen Profit.

Bild 1: Appartementhaus Pandora – Upper Class Apartments Ötz.

Wir werden das Appartementhaus weiterhin im Auge behalten.

Ehemaliges Edelmayer-Haus

Rund ein ganzes Jahr stand auf dem Platz vom ehemaligen Haus der Familie Edelmayer in der Dorfstraße nur der Rohbau. Aber seit diesem Sommer wurden die Bauarbeiten fortgesetzt (Bild 3), obwohl wir uns mitten in der Corona-Krise befinden. Wer aber denkt, dass dort ein neues Haus entsteht, indem Einheimische wohnen werden, der hat sich schwer getäuscht. Bereits vor einem Jahr berichteten wir, dass eine Innsbrucker Immobiliengesellschaft das alte Haus kaufte und abgerissen hat, um dort ein modernes Haus mit zwei Wohnungen des gehobenen Standards zu errichten, die jeweils eine "Freizeitwohnsitzgenehmigung" besitzen.

Im Frühjahr 2019 wurden beide Wohnungen zusammen (7 Zimmer, ca. 207 m2) im Internet zu einem Gesamtverkaufspreis von 1.500.000 Euro (7246,38 €/m2) exkl. 3% Maklerprovision angeboten (Bild 4). Auch hier steht nur der schnelle Profit im Vordergrund.

Bild 4: Verkaufsanzeige der Makleragentur ImmoSky (www.immosky.at) vom 29.04.2019 (Quelle: wohnnet.at).

Investorenprojekt Mühlweg

Unweit vom ehemaligen TIWAG-Areal am Mühlweg, plante vergangenes Jahr die Santer Immo GmbH hinter dem M-Preis ein Investorenprojekt zu errichten. Nachdem wir letztes Jahr die Pläne vom Appartementhaus (Bild 5) zu dem unserer Meinung nach ebenfalls untauglichen Modell veröffentlicht haben, scheint es im diesem Sommer zu einem Meinungsumschwung gekommen zu sein.

In der Gemeinderatssitzung vom 2. Juli 2020 hat der Bürgermeister berichtet (Bild 6), dass das Projekt nun abgeändert worden sei und eine Wohnanlage für Einheimische errichtet werden soll, die zum Teil wohnbaugefördert ist.

Bild 6: Auszug vom Gemeideratsprotokoll vom 02.07.2020.

Wir bleiben am Thema dran.

Ende der Fahnenstange?

Wahrscheinlich nicht. Es gibt im Dorf noch einige alte und nicht denkmalgeschützte Häuser, die das Potenzial haben, um für eine scheinbare touristische Nutzung abgerissen oder zweckentfremdet zu werden. Aber auch der Denkmalschutz kann ein historisches Gebäude nur bedingt schützen. Dieser schützt zwar vor Abriss und baulichen Veränderungen, aber nicht vor einer Zweckentfremdung dieser Art. Ein Musterbeispiel dafür ist die denkmalgeschützte Villa Menis in Zell am See. Die um 1900 errichtete Villa im späthistorischen Stil wurde saniert, anschließend parifiziert und die Wohnungen hochpreisig an Investoren verkauft (s. propertysaleaustria.co.uk/zellamsee u. lifebeton.at/projekte/villa-menis-in-zell-am-see).


All die oben aufgelisteten Fälle sind nur Auswuchsformen – Symptome – eines fehlgeleiteten Systems und einer fehlgeleiteten lokalen Politik, die Folgeeffekte für die Natur und der Bevölkerung mit sich bringen. Die Auswirkungen lassen sich in einem gemeinsamen Fachbegriff zusammenfassen: "Alpine Gentrifizierung".

Diese bedenkliche Entwicklung wird Inhalt von Teil 2 sein.


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Quelle Titelbild: www.sn.at – (C) Anton Kaindl