In den Städten wird versucht durch die Bergrünung von Dächern und Fassaden, mobile Bäume, Rollrasen, Beschattungen und Wasserzerstäuber der starken Sommerhitze entgegenzuwirken, die hauptsächlich durch Asphalt und Beton verursacht wird. Zusätzlich wird in den Städten auch bestrebt weniger freie Flächen zu versiegeln, um zukünftig die Temperaturen zu senken. Hingegen am Land scheint es, als würde die Uhr häufiger in die entgegengesetzte Richtung laufen.

In Ötz zwischen Habichen und Tumpen gibt es über das "Gstoag" einen Schotterweg, der neben Spaziergänger und Wanderer, häufig auch von Mountainbiker und E-Mountainbiker verwendet wird (s. Karte in Bild 1). Manchmal wird dieser Weg auch als Pferdereitstrecke benützt. Vor kurzem konnte auch beobachtet werden, dass dieser Weg auch von sogenannten "Gravel-Bikes" verwendet wird. Gravel-Bikes sind Komfort-Rennräder mit breiteren u. profilierten Reifen, die für das Ausdauertraining an die Gravel-Roads aka "Waldautobahnen" angepasst wurden – ein Trend aus den USA, der seit einiger Zeit in Europa stark im Kommen ist (s. a. "Cyclocross & Gravel – was ist das und warum macht das Spaß?" u. "Kreuz & Quer: Gravel Bikes für Schotter und Asphalt").

Karte Radweg – TirisMaps
Bild 1: Radweg über das "Gstoag" in Richtung Tumpen, entlang des Habicher Seebaches (Flurname: Mühlbach). (Quelle: TirisMaps)

Ein paar Impressionen von Mitte Juni über den aktuellen Zustand des Schotterweges in Richtung Tumpen:

Wegausbau für den Ötztal Radweg

Der Ötztal Tourismus will nun diesen Schotterweg ausbauen und auch asphaltieren (s. Bild 2 u. 3). Ziel des Ötztal Tourismus ist es, durch das ganze Ötztal eine nahezu durchgehend asphaltierte 52 km lange Radroute mit 5 Talstufen zu errichten, den sogenannten "Ötztal Radweg" (s. www.tirol.at – Ötztal Radweg). Dieser Radweg wird in jeder Etappe einige "Highlights" bieten und bildet zukünftig auch eine Verbindungstrecke für Radfahrer zwischen dem Inntal und dem Gardasee in Italien (s. www.oetztal.com – Ötztal Radweg (11)).

Ötztal Tourismus – Screenshot
Bild 3: Weitere geplante Ausbauten des Ötztal Radweges für das Jahr 2020. (Quelle: www.oetztal.com)

Beschwerde vom Landesumweltanwalt

Was auf ersten Blick touristisch attraktiv erscheint, ruft jedoch auch Skeptiker auf den Plan, wie auch die Landesumweltanwaltschaft (LUA), die Beschwerde[1] einlegte für den geplanten Ausbau des "Tumpner Gstoag" zwischen Habichen und Tumpen. Anstoß dabei ist ein ökologisch und landschaftlich wertvoller Wegabschnitt neben dem Habicher Seebach (s. Bild 2), den der Ötztal Tourismus nun asphaltiertien will. Die LUA hingegen, sieht aber keine Notwendigkeit dafür und befürchtet eine Beeinträchtigung des ökologisch sensiblen Bereiches. Aus diesem Grund fordert die LUA eine "Tabustrecke für Asphaltierungen". Letztendlich wurde aber Ende Mai die eingereichte Beschwerde von der LUA vom Landesverwaltungsgericht (LVwG) abgewiesen.[2][3]

Sinnvoller Ausbau?

Der Ötztal Tourismus begründet die Notwendigkeit der Asphaltierung mit einem altbekannten "klassischen Argument" aus den 90iger Jahren, dass ein Asphaltbelag Vorteile bietet „für Fragen der Sicherheit oder auch der Wegerhaltung sowie aus Haftungsgründen“.[3:1]

Im Ötztal werden von den Outdoor- und Adventure-Unternehmen überwiegend nur Mountainbikes und E-Mountainbikes verliehen. Hinzu kommt nun der aufsteigende und wachsende Trend der Cyclocross- und Gravel-Bikes, die optimiert sind für Schotterwege.

Frage: Ist ein "asphaltierter" Weg wirklich notwendig, der hauptsächlich nur für Schotter und Gelände optmierte Fahrräder verwendet wird?

Und wie sieht es mit der besseren Sicherheit eines asphaltierten Weges aus?
Ein asphaltierter Weg verleitet Radfahrer zu viel höheren Fahrgeschwindigkeiten und sind zusätzlich "lautloser" unterwegs als bei einem Schotterweg. Dies kann für kreuzende Spaziergänger/Wanderer als auch für Pferde gefährlich werden. Im Herbst kann nasses Laub die Rutschgefahr erhöhen und im Winter zu vorzeitiger Bildung von Glatteis führen, weil das Wasser nicht versickern kann. Das würde aber auch bedeuten, dass im Winter zusätzlich ein Streudienst eingeführt werden muss, damit dieser Wegabschnitt auch für Spaziergänger verwendet werden kann. Oder wird zukünftig im Winter auf Schilder verwiesen wie "Kein Winterdienst! Benutzung auf eigene Gefahr!"?

Der Ötztal Tourismus wirbt auch mit dem Wanderweg "Ötztaler Urweg E11", der von Umhausen nach Sautens verläuft.[4] Zwischen Tumpen und Habichen überdeckt sich dieser Wanderweg mit dem Ötztal Radweg (vgl. Karte in Bild 1).

Frage: Wie "urig" ist noch ein streckenweise asphaltierter Wanderweg, der mitten durch Wald und Wiesen verläuft?

Meinungen von Passanten

Lebenswertes Ötz konnte Mitte Juni, während der Begehung des Weges, auch ein paar Passanten über ihre Meinung zum Wegausbau befragen (sinngemäße Wiedergabe):

Einheimischer:

„Mit Hunden gehen ist jetzt schon sehr gefährlich! Die E-Biker sind so schnell unterwegs, oft hört man sie erst sehr spät. Bei den Hunden weiß man nie genau wie die reagieren. Wenn sie was gesehen haben und plötzlich in eine Richtung ziehen, kann das unter Umständen sehr gefährlich werden (Hundeleine). Mit Asphalt fahren die wohl noch schneller, dann wird es richtig gefährlich! Im Sommer kann man dort wohl mit den Hunden nicht mehr gehen, wenn asphaltiert ist – das wird schnell sehr heiß! Manchmal sind am Weg auch einige Leute auf Pferden unterwegs. Bei der Wegkreuzung (Kehre/Weganfang) fahren die Jäger, trotz Fahrverbot, mit dem Auto auf diesen Weg!
Wir (die Tumpener) haben davon nichts mitbekommen, dass der Weg asphaltiert werden soll. Schwachsinn diesen Weg zu asphaltieren! Fahren eh nur Mountainbiker, die Rennradler bleiben auf der Straße.“

Gäste (Spaziergeher/Wanderer):

„Was, diesen Weg will man asphaltieren?! Warum? Der ist doch so schön!“

Referenzen


  1. Landesumweltanwaltschaft, "Ötztal Tourismus Sölden; Ötztaler Radweg – Bereich Tumpener Gstoag, naturschutzrechtliche Bewilligung - Beschwerde des Landesumweltanwaltes". ↩︎

  2. Tiroler Tageszeitung, "LUA und Ötztal Tourismus „matchen“ sich vor Gericht". ↩︎

  3. Tiroler Tageszeitung, "Beschwerde abgewiesen: Radweg im Ötztal wird asphaltiert". ↩︎ ↩︎

  4. Ötztal Tourismus, Ötztaler Urweg E11 – Umhausen-Sautens ↩︎


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ETAPPE 11: / UMHAUSEN –> Neudorf –> Ötztaler Ache –> Östen/Hopfgarten –> Tumpen –> Habichen –> Piburger See –> Piburg –> Haderlehn –> SAUTENS