Aus aktuellem Anlass gibts nun mal einen Bericht zur Situation mit den Öffis hier bei uns im vorderen Ötztal. Wahrscheinlich folgen dann noch weitere...

Ausgangssituation

  • Von Ötz zu einem Termin in Telfs (Zentrumsnähe) um 11 Uhr, an einem Werktag.
  • Fahrtüchtiges Auto mit Vignette und ausreichendem Sprit vorhanden.
  • Zeitliche Flexibilität bis zu einem gewissen Grad ist gegeben.
  • Der Wille mit Öffis zu fahren ist gegeben (um nicht zu sagen groß).
  • Rückfahrt zurück nach Ötz gleich nach dem Termin.
  • Kein Öffi-Jahresticket (ÖBB oder VVT), aber ÖBB-Vorteilscard.
  • Keine Besorgungen/Erledigungen zu machen.

Was macht man? Fahrplanabfrage.

Fahrplanung

Also eine Fahrplanabfrage Ötz-Telfs, damit man in Telfs in Zentrumsnähe kurz vor 11 Uhr ankommt.

Naja, sieht schon mal nicht schlecht aus. Aber Bahnhof Pfaffenhofen bis zum Zentrum Telfs in max. 15min? Hmm, ich weiß nicht so recht. Schon machbar, bin ja sportlich. Aber ohne Stress und ohne schwitzen? Nein, so will man nicht beim Termin ankommen. Also, mal schauen was für Züge in Frage kämen.

Fahrplanabfrage ÖBB, https://fahrplan.oebb.at

Perfekt, die S-Bahn um 10:14 erfüllt alle Voraussetzungen. Fast eine halbe Stunde für den Fußmarsch reicht aus, um entspannt am Bestimmungsort anzukommen. Also, Abfahrt 10:14. Wann geht nochmal der Bus? 10:02 von Ötz, Ankunft am Bahnhof um 10:13. Oje, 10:13? Dann hätte ich, wenn der Bus denn pünktlich ist (öfter mal nicht der Fall - weiß ich aus Erfahrung), 1min vom Bus aussteigen, zum Fahrscheinautomaten einen Schein rausdrücken und zum Bahnsteig gehen und in den Zug einsteigen. 1 Minute? Nein, das würde ich nicht mal schaffen, wenn ich kein Ticket bräuchte. Also, Bus gestorben.

Und nun?

Tja, was macht man denn nun? Doch mit dem Auto nach Telfs fahren? Würde mir etwa eine halbe Stunde an Zeit und auch einiges an Aufwand ersparen. Abfahrt zu Hause etwa 10:25. In diesem Fall entspricht die halbe Stunde Zeitersparnis gegenüber den Öffis auch die Zeit, die ich mit dem Auto nach Telfs brauche, samt Abstellen und kurzem Fußweg. Und retour dann das selbe (je nach Zugverbindung). Also, was tun? Grübel, grübel. Mit dem Auto zum Bahnhof und dann von dort mit dem Zug weiter? Ok, der Umwelt zu liebe und wegen einer stressfreieren Reise - im Zug zurücklehnen ist einfach stressfreier als hochkonzentriert hinterm Lenkradl zu sitzen. Abfahrt? Wie die Erfahrung am Bahnhofsparkplatz zeigt, lieber ein paar Minuten mehr einplanen, also etwa 09:50. Etwas über 20min von daheim bis zum Zug sollte ausreichen, um dann auch noch eine Fahrkarte zu bekommen. Rückfahrt? Gut, wenn der Termin früher endet, erreiche ich vielleicht den REX um 12:12, ansonsten nehme ich die S-Bahn um 12:27. Alles super. Auf einen Bus für die Rückfahrt muss ich ja nicht schauen, das Auto am Bahnhof bringt mir die Unabhängigkeit.

Mit dem Auto zum Zug

Nach der problemlosen Autofahrt gehts dann drum, einen Parkplatz zu finden. Ist eh ein großer Parkplatz dort. Aber auch seeehr viele Pendler, die mit dem Auto zum Bahnhof fahren. Um ca. 10 Uhr ist dort eine äußerst schlechte Zeit. Oh nein, ahh, doch, Glück gehabt. Der letzte freie Parkplatz (für alle die es kennen, beim Marberger-Areal vorbei ganz unten, wirklich der allerletzte). Zeit? Nix zum trödeln. Für die ca. 300m braucht man schon ein paar Minuten. Also Raus aus dem Auto und mit schnellem Schritt zum Fahrkartenautomat am Parkplatz. Fahrkarte ausdrucken, da werden dann Sekunden zu Minuten. Zeit? Jetzt aber hurtig. Mit mäßigem Laufschritt dann zum Zug. Geschafft. Hinsetzen und Augen zu, das hab ich mir jetzt aber auch verdient. Na hoffentlich kontrolliert keiner am ÖBB-Parkplatz wegen den Parktickets (24h Berechtigung). Habs zwar mit ausdrucken lassen, aber nochmal die 150m zurück? Never-ever!

Parkplatzsituation Werktags 07:55 Uhr, schon da praktisch chancenlos noch einen Parkplatz zu bekommen.

Was bleibt

Doch das nächste mal mit dem Auto nach Telfs fahren? Vermutlich schon. Die Mehrzeit, der Aufwand (Umsteigen, Fahrkarte) und insbesondere die Unsicherheit (Parkplatz) können da den kurzen Komfort-Vorteil eigentlich nicht mehr Wettmachen. Und nun bin ich nicht mal einer derer, die sich vor dem zu Fuß gehen sträuben.
Es bleiben offene Fragen, Unverständnis, und Ärger. Das Bedarf natürlich einer ausführlicheren Erklärung. Aber mal kurz umrissen: Man versucht die ÖtztalerInnen zum Umsteigen auf die Öffis zu bewegen, insbesondere auch mit der höchst aufwendig ins Leben gerufenen und steuergeldfressenden Mobilitätsstrategie 2030. Trotzdem schafft man es seit vielen Jahren(!!) nicht, eine Möglichkeit zu schaffen, um mit dem Bus von/zu den Schnellzügen zu fahren. Das hat mit diesem Bericht insofern zu tun, als durch diese unzureichenden Verbindungen fast alle Pendler (außer die, die sowieso nie mit dem Bus fahren würden) mit dem Auto zum Bahnhof kommen (wer nach IBK muss, fährt mit dem Railjet/EC/IC). Da ist man dann als Gelegenheitsfahrer auf viel Glück angewiesen. Zur Thematik Bus/Schnellzug hab ich schon Anfang 2011 eine Mail an den VVT verfasst. Und einmal darfst du nun raten, wer dafür Zuständig war. Richtig, es war Andreas Knapp, dazumal beim VVT und jetzt unser Mobilitätsstratege und ’Experte’ beim Projekt Mobilitätsstrategie 2030. Wie soll man denn den ÖtztalerInnen einen Umstieg auf Öffis schmackhaft machen, wenn sogar denen, die den starken Willen dazu haben, derart Steine in den Weg gelegt werden, dass sogar solche doch wieder mit dem Auto fahren (und sei es ’nur’ bis zum Bahnhof). Und noch schlimmer - wenn diese dann auch noch anderen raten müssen, man solle lieber mit dem Auto fahren. Um solche Probleme aufzuzeigen und bei den zuständigen Planern (VVT, ÖBB mit Postbus, ÖVG und wer sonst noch mit dabei ist) auf eine Lösung zu pochen, braucht es keine geldvernichtende Mobilitätsstrategie. Nein, nur ein paar Menschen, die diese Sachlage mit Hirn und Hausverstand(!) betrachten und das Problem angehen (und angehen wollen!).