Nachdem in den letzten Beiträgen immer wieder kritisch über die von den Ötztaler Gemeinden, Tourismusverband und Bergbahnen beauftragte Mobilitätsstudie berichtet wird, möchte ich hierzu eine andere Sicht der Dinge darlegen (wenn auch nicht weniger kritisch).

Diese besagte Mobilitätsstudie hat auch aufgrund der Presseberichte, die nach der Vorstellung der Studienergebnisse im Gemeinderat publik wurden, für viel Diskussion und Gesprächsstoff gesorgt. Insbesondere Artikel in der TT vom 28.06.2019 und in der Rundschau vom 04.07.2019. Bei den ganzen Kritiken an der Studienergebnissen bzw. deren Interpretation wird jedoch vergessen, dass die Darstellung in den Medienberichten EINE mögliche Interpretationen ist. Wer für die Schlagzeile verantwortlich ist, erschließt sich mir nicht. Anders als von den Auftraggebern der Studie wohl erhofft/gewünscht lässt sich aus dieser jedoch auch ganz was anderes herauslesen. Und auch in den weiteren Informationen aus den Artikeln bleiben einige Punkte mehr als fragwürdig. Ohne die Studie und die dahinter liegenden Daten zu kennen lässt sich jedoch nichts konkretes belegen oder widerlegen. Es bleibt zu bedenken, dass die Darstellung in den Medienberichten die Sichtweise der Auftraggeber, d.h. Gemeinden des Ötztales, dem Tourismusverband und den Bergbahnen ist, die alle ein starkes Interesse an mehr Gästen verfolgen, was zwangsläufig mehr Verkehr bedeuten würde. Dementsprechend verwundern auch solche Veröffentlichungen nicht - schließlich sind diese im Interesse der Studienauftraggeber. Dass die Studienergebnisse bisher unter Verschluss gehalten wurden lässt einerseits vermuten, dass die erhobenen Daten wahrlich kein gutes Bild abgeben, und hinterlässt andererseits einen fahlen Beigeschmack, da die Studie auch mit Steuergeld finanziert wurde und den Bürgern diese trotzdem vorenthalten wird.

Andere Sicht der Dinge

Ich denke, die Welle der Empörung aufgrund der Medienberichte ist in die falsche Richtung losgegangen. Wenn man sich die Kernaussage anschaut, nämlich, dass 58% des Verkehrs ’hausgemacht’ sind, dann sind eben 42% nicht ’hausgemacht’. Das ist also so zu verstehen, dass 42% der in der Studie registrierten KFZ mit nicht-IM-Kennzeichen unterwegs waren. Ob nun Einheimischen zuzuordnen (auch Besuche von Verwandten oder Bekannten) oder Gästen/Touristen lässt sich nicht bestimmen. Faktum ist, dass in anderen Gegenden die ansässige Bevölkerung zu fast 100% für den dortigen Verkehr verantwortlich sein darf - und wir werden für knapp über der Hälfte schon ’öffentlich an den Pranger gestellt’, quasi ’selber Schuld’. Wir haben ein massives Verkehrsproblem und sind gerade mal etwas über der Hälfte selbst dafür verantwortlich, d.h. fast die Hälfte wird von anderen verursacht, also auch (oder vielleicht hauptsächlich?) von den Kunden der Studienauftraggeber. Und das Werktags unter der Woche, da sind noch keine Samstags-Schichtwechsel dabei.

Messungen an Werktagen

Dass die Messungen an zwei Werktagen durchgeführt wurden stößt bei vielen auf Unmut. Die größte Belastung der Bürger wurde nicht erfasst, wohl auch im Interesse der Studienauftraggeber. Unser Bürgermeister beschwichtigt und meint, keine neuen Erkenntnisse dadurch zu gewinnen. Die Aussage, dass im vorderen Ötztal 2/3 des Gesamt-Verkehrsaufkommens Werktags Pendlerverkehr talauswärts (entsprechend Nachmittag oder Abends wieder taleinwärts) verursachen, lässt sich anhand von Messdaten vom Land Tirol - stündliche Daten an der Messstelle Ötz (km 0.592), von Jänner bis Ende Mai 2019 - in keinster Weise nachvollziehen. Hier wird schnell ersichtlich, dass auch einiges an Verkehr taleinwärts fließt. Die Spitzen in der früh Richtung Haiming und Nachmittags wieder Richtung Sölden sind wohl zum Großteil die besagten Pendler. Allein schon aus dem Bild ist ersichtlich, dass mit der Aussage des Anteiles von 2/3 der Pendler talauswärts (Nachmittags wieder taleinwärts) etwas nicht so ganz stimmen kann. Die in den Medien veröffentlichte Aussage ist somit klar zu widerlegen.

Was bleibt...

Es ist Handlungsbedarf, unsere ’Bürgervertreter’ spielen allerdings mit Studienerstellungen auf Zeit. Wofür, darüber kann Spekuliert werden, es stehen jedoch die Skigebiets-Zusammenschlüsse Ötz-Kühtai und Gletscher Ötztal-Pitztal im Raum, weiters andere Touristische Projekte wie z.B. die Bike-Republic. Alles natürlich mit einer weiteren Verkehrszunahme verbunden - aber das bleibt bei der Projektentwicklung außen vor.

Drübergefahren wird über uns, den Ötzer Bürgerinnen und Bürgern. Jetzt ist es wirklich an der Zeit für einen ehrlichen Bürgerdialog zum Thema Verkehr und der weiteren Entwicklung.


Die Langversion gibt es hier.