Der Gemeinderat der Gemeinde Ötz hat den Beschluss zur 12 Millionen schweren Beteiligung am KW Tumpen-Habichen vergessen. Die Gemeindeaufsicht bringt dieses Versäumnis dezent, aber deutlich, auf den Punkt: Sie schreibt in einem Mail, dass die Vorgänge "verbesserungsfähig" und auch "eine exaktere Führung der Sitzungsniederschrift wünschenswert" wäre.

Es wird sich weisen, ob unsere Gemeindeführung zu diesem Rüffel steht - oder nicht. Im Sinne einer gehobeneren Fehlerkultur wäre dies zumindest erstrebenswert.

Allerdings sind gleichzeitig deutlich Zweifel angebracht. Derzeit schaut es vielmehr eher danach aus, als ob man eher den einen Fehler mit einem anderen wiedergutzumachen versucht.

Die Geschichte dazu ist die: Bei einer Besprechung mit den Anrainern der Baustelle des KW Tumpen-Habichen wurde versprochen, dass die "üblichen Arbeitszeiten", die ohnehin bis 22 Uhr ausgedehnt wurden, eingehalten werden. Es dauerte allerdings nur wenige Tage, bis auch des Nachts gesprengt und geschrämt wurde, dass es die Habicherinnen und Habicher aus ihren Betten haute.

Bgm. Falkner ist nun gefordert, seinen Einfluss geltend zu machen und dafür zu sorgen, dass dieser Missstand schnellstens behoben wird. Nur einen Fehler durch einen weiteren ausbügeln zu wollen, das wäre wohl ein fatales Signal.

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Meinung

Wenig Hoffnung haben die Anwohner von Tirols größtem Investorenprojekt am Örlachweg, was den Beistand unseres Bürgermeisters anbelangt. Sie sagen, Bgm. Falkner hätte bei ihnen während der Bauphase des All Suite-Resort von Peter Grüner - trotz mehrmaliger Bitte - zu wenig reagiert und einzig und allein dem Bauwerber die Stange gehalten. Man fühlt sich im Stich gelassen. Insofern würden sie nun "schwarz sehen", was die "Leidensgenossen" in Habichen betrifft, zumal die Gemeinde als 20%-Mitgesellschafter auch bestrebt sein wird, die Arbeiten am Kraftwerk zügig über die Bühne zu bringen.

Man sieht, in welcher Zwickmühle sich hier das Gemeindeoberhaupt befindet: Auf der einen Seite die berechtigten Wünsche der Bevölkerung, auf der anderen die wirtschaftlichen Interessen.

Falkner kann man daher nur wünschen, nicht denselben Fehler wie beim mittlerweile auf Eis gelegten Projekt Feldring/Schafjoch zu machen. Dort hat er es leider verabsäumt, zumindest den Versuch einer Ämter-, respektive Interessenstrennung vorzunehmen. Zur Erinnerung: Es ist nur legitim, wenn der Bgm. in seiner Bergbahn-Funktion ein Projekt mitträgt, danach allerdings müsste er den Ausweg aus seiner Pleonasmus-Befangenheit suchen, und sagen: Liebe Bevölkerung, es gibt da eine Idee, die schaut so und so aus  - was sagt ihr dazu? Dieses gemeinsame Nachdenken muss jetzt unser nächster Schritt sein, weil ich als Bürgermeister für alle verantwortlich bin - und nicht nur für einige wenige. Dann könnte man nach einer eingehenden Information der gesamten Bevölkerung (und nicht nur einiger auserwählter Ja-Klatscher im Saal "Ez") eine vernünftige Diskussion führen, sich spätestens dabei eine Meinung bilden, ev. eine "Volksbefragung" machen, oder die Sache im Gemeinderat zumindest für so wichtig empfinden, dass man einen eigenen Tagesordnungspunkt dafür ansetzt.

Das alles ist leider nicht geschehen und zeigt, wie sehr wir uns derzeit am Holzweg befinden. Auch die vormalige Deckung der Gemeindeführung durch  die Behörde gab zu denken. Jetzt schaut es anders aus. Wie wird es daher in Habichen weitergehen?

Bernhard Stecher