Corona machte es möglich. Der Verkehr durch Ötz war reduziert – und dafür schlenderten Menschen mit einem Eis in der Hand durch den Ort. Wohlfühlen und Urlaubsfeeling statt Autoabgase und Motorenlärm. Und dies bereits im April. Selten war der Unterschied deutlich spürbarer wie zur Zeit der Eröffnung der neuen Ötzer Eisdiele. Was dahinter steckt?

Zu verdanken ist die neue Ötzer Gastro-Errungenschaft einer Ötztalerin. Chefin Viktoria, eine geborene Gstrein, stammt aus Längenfeld. Die gelernte Restaurantfachfrau arbeitete 15 Jahre lang in der gehobenen Gastronomie und war dabei stets "mit Leidenschaft direkt beim Kunden, beim Gast".

Dem Charme der 33-Jährigen ist wohl auch ihr heutiger Mann, Stefano Vivan, erlegen. Man könnte, um beim Eis zu bleiben, sagen, er ist dahingeschmolzen, als sie eine Woche lang bei dessen Ötztal-Urlaub seine Kellnerin gewesen war.

Der gebürtige Italiener kennt das Eishandwerk von der Pike auf. Führt er doch des Längeren bereits in der Hamburger Innenstadt eine Eisdiele. Wobei, Eisdiele vielleicht nicht das richtige Wort ist. Vielmehr handelt es sich in der Hansestadt um einen Großbetrieb mit Hunderten Sitzplätzen und Dutzenden Mitarbeitern. Angeboten werden im Norden Deutschlands sage und schreibe 47 Eissorten.

Da geht es in Ötz schon ein wenig beschaulicher zu. Zwar schmeckt das Gefrorene gleich gut, bei 30 Sitzplätzen sind es aber eher überschaubare fünf MitarbeiterInnen und 24 Eissorten. Womit man auch noch immer Auswahl genug hat, wenn wir uns ehrlich sind.

Durch Glück nach Ötz gekommen

Gesucht nach einem geeigneten Lokal in unseren Gefilden haben Viktoria und Stefano eigentlich schon lange. Aber es sollte sich bis 2020 nichts ergeben. Dann kam das Angebot, die Räumlichkeiten der ehemaligen Tabaktrafik zu übernehmen. "Ein Glücksfall", sagen die Unternehmer. Denn, weil für die Einrichtung eines Eissalons aufgrund der benötigten Kühlzellen ohnehin eine Kernsanierung gemacht werden muss, ging auch das Bauliche Hand in Hand.

Mit dem Start in Ötz sind die beiden sehr zufrieden. "Wir stoßen auf breite Resonanz und viele Kunden bestätigen uns, dass so etwas bei uns gefehlt hat. Wir bieten für alle Altersgruppen etwas und leisten einen Beitrag zur Bereicherung des Ortskerns."

Aufgenommen sei man im Ort gut worden, berichten die neuen Ötzer Unternehmer. "Und TVB-Mann Christoph Rauch hat uns auch gleich einmal von der geplanten Begegnungszone vorgeschwärmt, die in den kommenden Jahren entstehen soll." Das habe ihnen gut gefallen.

Die Philosophie des Eismachens selbst ist eine strikte. Keine Kugel darf älter als 24 Stunden sein, wobei die Zubereitung einer Eissorte, die man durch eine Glasscheibe vom Verkaufsraum aus verfolgen kann. 20 bis 30 Minuten in Anspruch nimmt. Erzeugt wird veganes Fruchteis, d.h., es werden ausschließlich Früchte verwendet und keine Pflanzenfette. Daher ist das schmackhafte Eis und Frozen Yogurt auch für Allergiker geeignet.

So weit es geht, werden die Rohstoffe lokal bezogen. Viktoria und Stefano trachten auch sonst danach, möglichst nachhaltig wie nur möglich unterwegs zu sein. Eine win-win- Situation und ein Glücksfall für Ötz. Ein Vorbote für ein Zentrum mit mehr Menschen und weniger Autos!

Lustiges Detail am Rande: Zwei aus Italien stammende Verkäuferinnen, die in den Anfangsmonaten von Hamburg "ausgeliehen" wurden, lernen eifrig Ötztalerisch: Der Satz "A Tuuta mit zwoa Kuuglen" geht ihnen bereits akzentfrei über die Lippen.