(Titelbild aus den sozialen Medien im März 2019, nach einem mittlerweile legendären Auftritt unseres Bürgermeisters im ORF)

Am 30. Juni endet die im September 2019 begonnene Förderperiode der Mobilitätsstrategie 2030:

Zeit, Bilanz zu ziehen. Hat etwa die Regio Imst (Projektinfo im Bild oben) und damit auch der Steuerzahler sein Geld sinnvoll ausgegeben? Hat die Mobilitätsstrategie, abgesehen von einem Nachgeben bei unserer langjährigen Forderung nach einer Umfahrung und einer Begegnungszone für Ötz, einen Mehrwert für die Bevölkerung gebracht, oder ist sie nach dem Beirat Zukunft der zweite Beteiligungsprozess in Folge, der kläglich in den Sand gesetzt wurde? Wurden Versprechungen eingehalten oder war das Ganze wieder nur ein Wischiwaschi? Ein großes Tarnen und Täuschen, ein Bluff?

Fragen, die in dieser Serie beantwortet werden.

Grundsätzlich kommt der Frage nach dem lieben Geld und woher es kommt, immer und überall entscheidende Bedeutung zu: Stammt die Knete von unabhängigen Stelle, ist in der Folge auch ein eher unabhängiger Prozess zu erwarten. Kommt es hingegen von einer Lobby oder gar aus privater Hand, ist klar, worauf das Ganze hinauslaufen soll.

Wer hatte das Sagen?

Erweckte der Antrag bei der Regio Imst noch den Anschein, dass die Kommunen bei der Mobilitätsstrategie das Sagen hätten sollen, stellte sich bei genauerer Betrachtung heraus, dass dies eben nicht der Fall war.

Das ist wichtig zu wissen. Denn, wie immer und überall gilt: Wer zahlt, schafft an. Wer Geld hineinbuttert, will meist auch seine Interessen gewahrt haben. Und damit dies der Fall ist, werden auch Leute bezahlt, die Erfolg versprechen. Die gefälligst nach der eigenen Pfeife zu tanzen haben. Insofern sollten alleine diese fünf Zeilen aus einem Ötzer Gemeinderatsprotokoll bereits bezeichnend für den weiteren Ablauf werden:

Mit dieser Kurznotiz war die Wahrheit hinter dem Kostenschlüssel zutage getreten: Nicht die Gemeinden sollten das Sagen haben, was eine Art Unabhängigkeit garantieren würde, sondern andere. Während jede der fünf Talgemeinden (lediglich) für 1/15 verantwortlich zeichnete, gab es mit dem TVB und den Bergbahnen jeweils zwei große 1/3-Sponsoren. Die Fäden liefen also einmal mehr bei Bergbahnen-Boss Jack Falkner zusammen, der bekanntlich auch Aufsichtsratsvorsitzender des TVB ist. Dass mit Andreas Knapp ein langjähriger TVB- und Bergbahnen-Vertrauter als Projektmanager auserkoren wurde, verfestigte den ersten Eindruck der Verfilzung nur:

Knapp (l.) mit TVB-Vorstand Lukas Scheiber zu Zeiten, als der Linke noch ein "Mitarbeiter des VVT" gewesen war. Das sollte sich nach seiner Einstellung als Projektleiter der Mobilitätsstrategie rasch ändern: Plötzlich war Knapp ein "Experte".

Wes´ Brot ich ess´, dess´ Lied ich sing´

Es ist wohl eine Tatsache: Die Mobilitätsstrategie oder ein ähnlicher Prozess wäre nicht so früh zustande gekommen, wenn nicht die Pläne für die Gletscherehe Ötztal-Pitztal ans Tageslicht gekommen wären. Dann wäre alles wohl noch eine Zeit lang so weiter gelaufen wie bisher. Die derzeit Verantwortlichen wären in Ötz weiterhin ihre Lieblingsbeschäftigung nachgegangen und hätten den Kopf-in-den-Sand-gesteckt. Möglich macht dies die Alleinregierung der Bürgerliste in Kombination mit der ehemaligen Amprosi-Liste. Und auch denen im Hintertal wäre unser Verkehrs-Schlamassel weiterhin egal gewesen. Dann aber sollte sich alles schlagartig ändern.

Ein Grund waren unter anderem unliebsame Berichte wie dieser, welchen das ZDF in seinem Mittagsmagazin sendete:

Urplötzlich gab der Ötzer Bürgermeister dem schon lange anhaltenden Druck aus der Bevölkerung nach und gestand, dass man doch ein Problem habe. Mehr noch: Von heut auf morgen war eine Umfahrung sogar – man hörte und staunte – "alternativlos"! Und auch die Hintertaler Macher interessierten sich von einem Tag auf den anderen für den verkehrstechnischen Tal-Flaschenhals in Ötz.

Wie ist dieses Interesse einzuordnen?
Man könnte nun sagen, dieses neu entflammte Interesse hätte durchaus etwas Positives gehabt. Genauso wie auch die finanzielle Großbeteiligung der Hintertaler am Projekt positiv gesehen werden kann. Allein, alles hängt natürlich vom Wie ab: Halten sich die Großsponsoren bei dem Bürgerbeteiligungsprozess tatsächlich heraus, ist alles gut. Drängen sie allerdings mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln nur darauf, ihre Interessen durchzusetzen, ist das Ganze zum Scheitern verurteilt. Und somit sagt der neuerliche Vorstoß von Jack Falkner zu Ötztal-Pitztal vor wenigen Wochen alles: Es ging beim Ötzer Verkehrsthema nur darum, Ruhe einkehren zu lassen. Derart kann man jetzt das Großprojekt aufleben lassen und argumentieren, man habe ja auch verkehrstechnisch alle Stolpersteine aus dem Weg geräumt ...

Wie die Mobilitätsstrategie aber im Detail in den Sand gesetzt wurde, wie sich einige dabei zum Hampelmann machten, ein Dorfcapo sich den Hals verrenkte, dass im Vergleich dazu ein Fähnchen im Wind ein ruhender Pol gewesen wäre, wer sich bei der gesamten Schmierenkomödie eine goldene Nase verdiente, usw. das dann alles detailliert und Schritt für Schritt in den weiteren Folgen.

Es wird wohl nicht von ungefähr kommen, dass sich, wie zu vernehmen, der ORF bereits des Längeren für das "System Ötztal" interessiert. Somit wäre die Mobilitätsstrategie ohnehin nur als Symptom für das große Ganze zu sehen.

War die Zielsetzung in Ordnung?

Setzt sich eine Fußball-Gasthausmannschaft zum Ziel, Champions League-Sieger zu werden, wird sie kläglich scheitern. Umgekehrt sollte Bayern München nach anderem streben, als ein U19-team knapp in der Nachspielzeit 2:1 niederzuringen. Will heißen: Ziele sollten immer realistisch sein.

Und das sollte realistisch sein? Das Ziel der Mobilitätsstrategie 2030:

Ein Schelm, der sich bei diesem Anblick etwas denkt. Verrät dieses auffällige Grinsen bereits den Bluff? Minus 30%! So eine Realitätsverweigerung ist doch tatsächlich zum Wiehern.

Jawohl: Kasweiß-Karrösten wird sich demnächst die Champions League sichern! Und trainieren brauchen die Gasthausbrüder nur zwischen ein paar Bierchen mit alten Wuchteln. Genauso wie wir bald 30 % weniger Verkehr haben. Da braucht`s nur ein paar E-Ladestationen und die Busse müssen eine Viertelstunde früher fahren als bisher! Den Rest erledigt unser "Experte" mit seinen drei grenzgenialen Vorschlägen.

"Der Verkehrsexperte, der keiner war", erscheint am Donnerstag, dem 6. Mai.

Check Teil 1:

  • Finanzierung, die Unabhängigkeit verspricht? Oder zumindest ein Heraushalten der Großsponsoren aus dem Bürgerbeteiligungsprozess? Fehlanzeige!

  • Installation eines unabhängigen Projektleiters? Fehlanzeige!

  • Realistische Zielsetzung? Fehlanzeige! Das Land spricht davon, dass es bis 2030 eine Zunahme von 32 % geben wird:
    Zwischen -30 % (geplante Zielsetzung) und +32 % (realistische Zunahme) klafft daher eine Lücke von 62 %. Das sind nach derzeitigem Stand der Dinge durchschnittlich 8.000 Fahrten/Tag, die nach Meinung von Knapp eingespart werden könnten. In neun Jahren entspräche dies sogar 12.000 Fahrten/Tag, die einfach irgendwo verpuffen. Kleinigkeit! Vor allem, wenn man bereits nächstes Jahr eh schon nicht mehr in der Verantwortung steht: Wie unsere Bundespolitiker: Groß für den St. Nimmerleinstag etwas versprechen, aber nach der eigenen kurzen Amtszeit die Sintflut!

  • Neutrale, von allen Beteiligten abgesegnete Öffentlichkeitsarbeit und unabhängige Presseinformation, wie es sich bei einem Bürgerbeteiligungsprozess eigentlich gehören würde? Fehlanzeige! Informiert wurde kanalisiert durch die Großsponsoren. (Nachtrag aus Artikel "Jack & die Karotte")

  • Kommunizierte wenigstens der Ötzer Bürgermeister auf Augenhöhe mit seiner eigenen Bevölkerung? Fehlanzeige! Oder unterschrieb der Falke auf "seinem" Postwurf auch nur das, was ihm die Medienagentur Polak, welche von den Sölder Bergbahnen und dem TVB bezahlt wird, vorgesetzt hat? Richtig. (Nachtrag aus Artikel "Jack & die Karotte")