Die Unterschriftenliste der Ötzer Kinder verdeutlicht, woran es krankt

Eigentlich, und da sind wir uns wohl einig, ist es ein Witz, dass sich die Ötzer Jugend, die sich seit 20 Jahren einen halbwegs brauchbaren Platz wünscht, erneut Unterschriften sammeln muss.

Irgendwie verwundert dieser leidige Umstand aber gar nicht. Vor allem, wenn man sich folgende wahre Begebenheit vergegenwärtigt, die sogar an einen Treppenwitz erinnert:

1.) Als vor rund einem Jahr in Habichen eine Unterschriftenliste zur Verminderung der Verkehrsbelastung kursierte, unterschrieb auch unser Bürgermeister.

Nein, nein, und nochmals nein: Dieser Kommentar wird auch diesmal kein Bürgermeister-Bashing. Einmal mehr nicht! Auch wenn dies einzelne wieder versuchen werden, so darzustellen. Sie, gewiefte Taktiker, wissen, wie man am besten von einem strukturellem Problem ablenkt: Durch Verschieben auf die persönliche Ebene. Anschließend erregen sie sich, dass man die Performance eines Bürgermeisters einfach nicht zu kritisieren habe und glauben damit, von der eigentlichen Sache ablenken zu können. Das Blöde dabei ist nur, dass immer weniger Ötzerinnen und Ötzer sich dadurch blenden lassen. Das Pech dieser Strategen ist, dass immer mehr Leute durchschauen, worum es wirklich geht und dass sie den roten Faden erkennen, der diesmal folgender ist ...

2.) Als bei uns das mittlerweile dritte Gemeindehaus gebaut wurde, durfte die Bevölkerung erst nach längst gefallener Entscheidung im Gemeindesaal antanzen. Dort hätte man dann das Siegerprojekt beklatschen sollen. Davor war man von allem ausgeschlossen.

3.) Als es um Feldring/Schafjoch ging, wurde zuerst der 15:0-Jubel-Beschluss im Gemeinderat gefällt, und erst dann, nämlich, als es wirklich nicht mehr anders ging, auf die Bevölkerung gehört. Davor wurden freilich noch die Touristiker exklusiv eingeladen und hieß es, man wolle Kritikern unter "keinen Umständen eine Bühne bieten". Finsterstes Mittelalter.

4.) Als es bei uns in Ötz um den Bau von Investorenmodellen gegangen ist, Frage: Hat man auch da lieber auf Teufel-komm-raus Projekte durchgepeitscht oder die Bevölkerung gefragt, ob wir uns auf solch schwindlige Machenschaften einlassen sollen? Natürlich hat man sie erst nach Fertigstellung der Monsterbaustelle gefragt, also zu einem Zeitpunkt, als es längst zu spät war. Die Antwort (im Rahmen von "2030") war übrigens mit überwiegender Mehrheit: nein, wir wollen keine Investorenmodelle.
Unsere Verantwortlichen haben also frei nach dem Motto agiert: Zuerst werfen wir die (Ortsbild- und gewachsene Tourismusstrukturen zerstörende) Bombe, dann fragen wir, ob euch das schon recht war. Ach, war es nicht? Echt? Mei, dumm gelaufen, aber Rückbauen kann man jetzt halt auch nicht mehr ...

5.) Und als man sich schon längst um das Verkehrsproblem hätte kümmern sollen, Frage: Hat man auch dort so lange den Kopf in den Sand gesteckt, bis die Bevölkerung auf die Barrikaden gestiegen ist? Ja, hat man.

6.) Als es um das Einsatzzentrum gegangen - hat man wenigstens bei diesem Millionenprojekt, das auf die grüne Wiese geklatscht wird, die Bevölkerung und sämtliche Vereine mitgenommen? Hat man sich in weiser Voraussicht jene Fläche gesichert, die von allen Beteiligten als optimal erachtet wurde? Oder hat man diese lieber kurzerhand umgewidmet, sodass Einzelne schnell ihre Schäfchen ins Trockene bringen konnten? Und hat man uns anschließend eine Arztpraxis als Bestandteil des "Siegerprojektes" am Ortsrand vorgesetzt? Ja, hat man.

7.) Vorletzte Frage: Hat man sich nicht in der Mobilitätsstrategie dazu verpflichtet, möglichst viele Fahrten innerorts zu vermeiden? Hat man. Und, ach ja, genau: Die Mobilitätsstrategie, hat man die eigentlich bereits vor Jahren offensiv angestrebt, oder gaaaanz zufällig auch erst dann, als man am Willen der Bevölkerung einfach nicht mehr vorbei kam? Ja, hat man.

8.) Kraftwerk Tumpen/Habichen: Hat man wenigstens dort mit offenen Karten gespielt, oder musste man erst nach Bekanntwerden eines Geheimvertrages erfahren, dass man mit der Unterschrift zum Gesellschaftsvertrag auch gleichzeitig verzichtet hat, gegen allfällige Wasserüberleitungen Einspruch erheben zu können? Hat man selbst hier der Bevölkerung etwas vorgegaukelt? Ja, hat man.

Man erkennt das Muster: Zuerst wird bei uns gewurschtelt und/oder kurzerhand einfach irgendetwas beschlossen. Nachdenken tut man offensichtlich erst dann, wenn sich die Bevölkerung erzürnt zu Wort meldet.

Was soll das ganze Gemurkse eigentlich?

Man muss es in aller Deutlichkeit sagen: Ein Bürgermeister ist dazu da, Entwicklungen zu erkennen und das Ohr an der Bevölkerung zu haben! Er soll in die Zukunft blicken, Trends erkennen und die Meinung aller hören! Er soll Meinungsbildungsprozesse anstoßen! Dann braucht er auch keine Petition unterschreiben, die einzig und allein dokumentiert, dass die Gemeindeführung in diesem Bereich sang- und klanglos versagt hat.
Fehlt ja eigentlich nur, dass er in seiner Funktion als oberster Gemeindevertreter bei seinem Unterschreiben gejammert hätte: "Sch... Gemeinde, warum unternimmt die eigentlich nie etwas."

Liebe Leute, sind wir uns einig? So, wie es derzeit bei uns läuft, da ist doch manches sehr verwunderlich, oder etwa nicht?

Und nun eben der Skaterplatz
Wir von LÖ haben hier einen Ansatz zur Lösung der Skaterplatzmisere präsentiert. Wir haben, nachdem wir bereits vor Jahren auf das Problem aufmerksam gemacht hatten, nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern nachgedacht und einen Beitrag zur Verbesserung geleistet. Wir, obwohl es eigentlich die Aufgabe der politischen Führung wäre, waren uns nicht zu schade, unsere Freizeit zu opfern und das zu tun, wofür eigentlich andere gewählt worden sind.


Nun mag unser Vorschlag nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein. Nun mag es bessere Varianten geben oder Optimierungsmöglichkeiten. Darum geht es aber letztlich gar nicht: Es geht darum, dass man sich in Ötz gemeinsam und rechtzeitig Gedanken machen sollte und nicht erst immer, wenn es zu spät ist. Es geht also darum, nicht schnell irgendeinen Pfusch irgendwo hinzuknallen und dann zum nächsten Bauprojekt zu hecheln. Das Ganze muss auch Sinn machen und nachhaltig sein!

Insofern freuen uns die Anregungen, die seit der Veröffentlichung der Skaterplatzgeschichte gekommen sind. Sie zeigen, dass auch in unserer Gemeinde demokratische Abläufe wie gemeinsame Ideenfindungen möglich sind. Sie zeigen, dass die Schwarmintelligenz genutzt werden sollte, um die jeweils besten Lösungen herauszufiltern. Sie zeigen, dass in den Ötzerinnen und Ötzern weit mehr drinnen steckt als ihnen von der derzeitigen Führung zu getraut wird.

Wir bedanken uns für diese Feedbacks, hegen allerdings die Befürchtung, dass unsere derzeit politisch Verantwortlichen ihren altbekannten, längst festgefahrenen und irrigen Weg weiter beschreiten. Statt konstruktiv an einer gemeinsamen Lösung interessiert zu sein, wird es wohl wieder nur heißen: "Selbsternannte Skaterplatzexperten" (wie beim Verkehr, hier nachzulesen) oder "Unkonstruktive Mitarbeit" (wie im Beirat Zukunft zu Feldring/Schafjoch). Oder präsentieren sie sich jetzt in der Presse wieder als Erfinder der Skaterplatzlösung am Liftparkplatz? Allesamt traurige, aber durchaus mögliche Varianten. Letztlich aber doch nur ein Eingeständnis des eigenen Unvermögens. Leittragend sind freilich einmal mehr wir alle, weil derweil zu viel den Bach hinunter geht.

Bernhard Stecher  

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Weil auch ein paar Erwachsene mit ihrer Unterschrift signalisieren wollen, dass sie die Bestrebungen der Ötzer Jugend nach einer Lösung der Skaterplatzmisere unterstützen, hier die Liste zum Download und Ausdrucken. Die Initiatoren freuen sich sicher über jeden einzelnen Sanktus.