Das letzte Mal als Österreich die Rad-Olympiade gewann, ist freilich lang her - nämlich 1896 (unglaubliche 125 Jahre), als ein werter Adolf Schmal in einem 12-Stunden-Marathon die goldene Medaille holen konnte. Heuer gewann eine "totale Außenseiterin", nämlich die Mathematikerin Anna Kiesenhofer (NÖ) und konnte alle sportbegeisterten Zuschauer überraschen.

Auch unser Ötztal ist wahrlich ein wunderbares Tal zum Sporteln, egal ob Wandern, Klettern, Canyoning, jeglicher Wintersport oder eben das Radfahren, wer draußen in der Natur sein will, findet quer über das Tal Sportangebote. Erst einige Wochen zuvor machte aber die Facebook-Seite Timmelsjoch-Alpenstraße ein bemerkenswertes Statement, wo gebeten wird, dass sich Radfahrer:innen zu ihrer eigenen Sicherheit die Alpenstraße an Wochenenden in der Hauptverkehrszeit meiden sollen. Eine Lawine an Kritik und Kommentaren (über 1.600 Reaktionen) hagelte auf das Posting ein, sinngemäß und zitierend für die Problematik einige Aussagen: "Schade, dass man die Schwächsten (Anm.: Radfahrer:innen) aussortieren möchte (...)"; "Was ist das für ein Signal? Ihr entscheidet gegen umweltverträgliche Alpenquerungen und erklärt den Pass zum Freizeitpark für lärmende und benzinverballernde Motoren? Ohne Worte! Wir sitzen hier gerade an einem abgelegenen, eigentlich idyllischen Pass. Hier ballern und heulen die Motoren 10h am Tag, ohne Pause. (...)" und viele weitere.

Fairerweise entschuldigten sich die Seitenbetreiber am darauffolgenden Tag für das Posting, es wurde angemerkt, dass es sich nicht um ein Verbot handelt, sondern eher um eine Empfehlung, sich die Zahl der steigenden Fahrräder und E-Bikes einer konstanten PKW/LKW-Kolonne zubewegt und die nicht-motorisierten Bewegungsmittel kostenfrei die Straße nutzen dürfen.

Screenshot vom Facebook-Posting der Timmelsjoch H. AG

Was bleibt ist eine denkwürdige Prioritätensetzung und ein de facto Schlag ins Gesicht aller Radfahrer:innen im Tal, welche schon mal die überaus schöne Timmelsjochstraße befahren wollten und durften.

Seitdem ist auch die Sommersaison angelaufen in Ötz. Im Dorf schafft man es in den Stoßzeiten selten über 30km/h im Ortsgebiet, der Verkehr ist wieder zurück. Das neu-montierte Straßenschild mit den 30 km/h für die Seitenstraßen mutiert als allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung im Dorf, weil man "eh nit schneller fohren konn".

Der Appel gilt daher, mal auf sein Auto zu verzichten und den Weg zum Supermarkt, zur Apotheke, zum Schwimmbad zu "radeln" - a la der ehemaligen Hobbysportlerin, nun Olympia-Siegerin, Anna Kiesenhofer.