Zugegeben: Ich bin parteiisch! Ich bin für die Wasserkraft – und damit grundsätzlich auch für das Projekt Tumpen-Habichen. Denk` mir, die Bedeutung des elektrischen Stromes wird zunehmen, gerade Stichwort Mobilität, und welche anderen umweltverträglichen Erzeugungsmethoden gibt es?

Was mich allerdings sehr wurmt und mir die Sache langsam aber sicher abspenstig macht, das sind die Ereignisse darum herum. Die gehen nämlich mittlerweile auf keine Kuhhaut mehr.

Begonnen hat alles mit dem leidigen Geheimvertrag („Rahmenvertrag“), den die Gemeinde gleichzeitig mit dem Gesellschaftsvertrag zur Wasserkraftwerk GmbH im Jahr 2010 unterzeichnet hat. In diesem verpflichtet sie sich, keinerlei Einwände gegen allfällige Tiwag-Projekte weiter hinten im Tal, etwa die geplanten Überleitungen ins Kaunertal, vorzubringen. Offen geredet wurde über diesen Knebelvertrag nie. Konnte man nicht, weil es eben eine geheime Abmachung sein sollte. Das ist schlecht. Noch tragischer ist jedoch, dass offensichtlich auch nicht über die Folgen dieses geheimen Zugeständnisses nachgedacht wurde.

Dramatische Auswirkungen auf den Wasserhaushalt

Man weiß, dass die Klimaerwärmung die Gletscher schmelzen lässt und dass damit ein eklatanter Rückgang des Wasserhaushaltes der Ötztaler Ache verbunden sein wird. Wissenschaftler bestätigen: Diese Reduktion wird gerade im Sommer beachtlich sein.

Dazu kommen die Überleitungen, die nun aus dem mittleren Ötztal Richtung Längental/Kühtai gemacht werden – und möglicherweise jene für das Kaunertal. Das hätte wohl enorme Auswirkungen auf das Mikroklima, den Grundwasserspiegel und die Attraktivität der Achstürze, würde also auch dem Tourismus schaden. Und all dies wird seitens der Gemeinde nicht nur widerspruchslos zur Kenntnis genommen werden müssen, sondern auch erhebliche finanzielle Einbußen mit sich bringen. Und zwar deshalb, weil kein selbstbewusster und unabhängiger Standpunkt bei den Verhandlungen um Wasserentschädigungen eingenommen werden kann. Dies alles erscheint gerade im Hinblick darauf, dass das Wasser DIE Lebensgrundlage für zukünftige Generationen sein wird, fatal. Stichwort: Klimawandel.

Tarnen und täuschen

Ärger- und verwunderlich ist leider auch, wie die Projektwerber oder deren Umfeld gezielt Falschinformationen streuen. Sie sprechen stets davon, dass die Achstürze nicht betroffen seien. Die Wahrheit ist freilich vielmehr die: Natürlich sind die Achstürze betroffen und dabei vor allem die oberen, also zwischen Tumpen und Habichen. Dort wird das Wasser entzogen und in die Druckleitung geführt. Ob dies einen großen Eingriff in die Natur darstellt, sei einmal dahingestellt, ärgerlich ist die Vorgangsweise allein deshalb, weil man uns damit für dumm verkaufen will. Als ob wir unsere Heimat nicht kennen würden.

Negiert, geleugnet oder verschwiegen wird leider auch die Auswirkung des Schwallbetriebes durch die notwendigen Spülungen des Stauraums auf die Ache bis zum Brunauer Wehr, die detailliert in den Einreichunterlagen des Projekts beschrieben sind. Weil man davon ausgehen kann, dass unsere Verantwortlichen diese hoffentlich gelesen haben, „informieren“ sie uns falsch.

Nur mehr wundern

Freilich nur mehr den Kopf schütteln kann man über die politischen Abläufe rund um das Kraftwerk. Da „vergisst“ unser Gemeinderat doch glatt, den Beschluss zur 12-Millionen-Beteiligung an der Gesellschaft ordentlich durchzuführen. Eine Schluderei sondergleichen! Trotzdem stellt ihr die BH offensichtlich derzeit einen Persilschein aus (Link am Ende des Artikels).

Somit muss sich die Behörde aber den Vorwurf gefallen lassen, dass sie ihre „eigene“ TGO (Tiroler Gemeindeordnung) überflüssig macht. Wurde doch in besagter Gemeinderatssitzung vom September 2010 weder ein Antrag gestellt, noch abgestimmt, noch das Ergebnis des Beschlusses schriftlich festgehalten, so wie dies alles die TGO vorsehen würde. Das Sittenbild könnte deutlicher nicht sein – und um es auch anders herum in aller Deutlichkeit zu sagen: Ein 2010 in politischer Verantwortung Befindlicher, hat dem Autor dieser Zeilen bestätigt, dass man damals den Beschluss im Gemeinderat schlicht und ergreifend vergessen hat. Das sagt alles.

Somit ist der von Gemeinde und BH ins Spiel gebrachte ominöse „Grundsatzbeschluss“, den es auch rechtlich gar nicht geben kann, nichts anderes als Schall und Rauch. Er hat nicht stattgefunden. Man kann es drehen und wenden wie man will.

Es sind genau die Vorgänge wie diese, welche nicht nur an der Rechtsstaatlichkeit zweifeln lassen, sondern auch das - subjektiv betrachtet - sinnvolle Projekt madig machen.  

Man merkt, der Autor dieses Beitrages ist gefrustet. Er ist deshalb verärgert, weil wir in einem fort entweder gar nicht oder „falsch informiert“ werden. Das Ganze erinnert überdies an Landesrat Tilg & Co: Ja keinen Fehler zugeben! Immer alles richtig gemacht haben! Und dabei wäre alles so einfach gewesen: Man hätte einfach in den vergangenen fünf Jahren einmal den Gemeinderatsbeschluss nachholen können. Dann wäre alles in Butter gewesen. Lieber aber macht man sich jetzt lächerlich – und vermiest selbst jenen, die eigentlich für das Projekt sind, die positive Gesinnung. Schade.

Bernhard Stecher


Link (Standard):

https://www.derstandard.at/story/2000118266969/behoerde-sieht-keine-fehler-bei-vertrag-zu-kraftwerk-tumpen-habichen

Bericht (Oberländer Rundschau):

Fotohinweis Titelbild: blinker.de