Wir erinnern uns: Im Spätherbst hat uns Bürgermeister Falkner den Postwurf mit "seiner" Verkehrslösung geschickt (hier nachzulesen). Dass die Idee dabei "kopiert" gewesen war, verschwieg er. Dasselbe dann in "seinem" heurigen Gemeindeboten-Editorial: Auch dort präsentierte er die Begegnungszone wieder als seine Erfindung. Zum Drüberstreuen bezeichnete er diesmal jene Ötzerinnen und Ötzer, die sich bereits vor ihm Gedanken gemacht hatten, als "selbsternannte Verkehrsexperten".

Obwohl bedenklich, und genau genommen eine Geringschätzung aller mitdenkenden Ötzerinnen und Ötzer, sollten wir diese Aussage dem Falken nicht allzu krumm nehmen. Denn wie bekannt, steht zwar bei den meisten Gemeindeboten-Artikel sein Name drunter (oder ist sein Kürzel "(HF)" vorangestellt), geschrieben werden diese allerdings seit jeher von anderen. Hauptsächlich von einem im Dorf altbekannten Ghostwriter, aber auch von einem anderen kleinen Helferlein im Hintergrund. Das sah man heuer auch wieder bei der mehr oder weniger lustigen Falke-Kolumne. Hätte sie tatsächlich Hansjörg Falkner selbst geschrieben, hätte er damit sogar seinen obersten Parteiboss Sebastian Kurz verunglimpft:

Unser Bundeskanzler, letztverantwortlich für alle Covid 19-Verordnungen, hat durchaus markante Ohren. Ja. Ihn aber in seiner Funktion als ÖVP-Bürgermeister "Dumbo" zu schimpfen, das tut man nicht. Und deshalb hat Falkner auch die Falke-Kolumne, von der man sich ohnehin fragt, was so ein Schmarren in einer Gemeindezeitung zu suchen hat, nicht selbst geschrieben. Außer ihm wäre jetzt wirklich alles wurscht. Und davon wollen wir nun wirklich nicht ausgehen.

Insofern ist das bisher Gesagte nichts Neues. Dient lediglich der Untermalung – und das wirklich Essentielle folgt erst. Die Frage ist also: Was ist also dran an den beiden neuen Postwürfen? Worin besteht der Mehrwert für die Bevölkerung? Wie hoch ist der Informations- und Wahrheitsgehalt?

Strategie 2030

Positiv zu vermerken ist, dass sich nach vielen Jahren des Nichtstuns endlich jemand Gedanken über die Zukunft zu machen scheint. Allerdings wäre es wünschenswert, wenn dies nicht wieder die bereits bekannte Gruppierung um jene Touristiker in bewährter Alleinregie machen würde, die ohnehin bereits in der Gemeindestube das Sagen hat. Und die bereits durch so glänzende Ideen wie ein neues, 80 Millionen teures Schigebiet um Feldring/Schafjoch aufgefallen ist.

Insofern verwundert es nicht, wenn ausgerechnet das Thema Skigebiets-Zusammenschluss wieder durch die Hintertür aufgefrischt werden soll. Das seien jedenfalls die "Chancen für die Zukunft" heißt es dementsprechend an mehreren Stellen des 2030-Postwurfs. Weiters ist unter "Aussagen der Bevölkerung" zu lesen: "Die Themen Ansiedlung neuer Hotels, der Ausbau des Skigebiets Hochoetz samt Skigebietsverbindung zwischen Kühtai und Hochoetz ... werden nach Interessenslage unterschiedlich beurteilt." Außerdem könne man sich für die Details ein Dokument von der Homepage herunterladen.

Wie es die "Bevölkerung" wirklich sieht
Lädt man sich das angesprochene Dokument herunter, und schaut sich an, was die "Bevölkerung" wirklich vom Thema Ausbau Hochötz oder dem möglichen Zusammenschluss mit Kühtai hält, jedenfalls in der angedeuteten Form, so schaut es freilich anders aus. Dann fällt es einem wie Schuppen von den Augen und da gibt es nichts mehr an "unterschiedlicher Beurteilung", was eine Art Ausgeglichenheit suggerieren würde. Im Gegenteil, klarer geht es fast nicht:

Lediglich 30 % halten den Ausbau von Hochötz für "wichtig". 54 % hingegen für "nicht wichtig". Damit sind fast doppelt so viele dagegen als dafür, obwohl diese Frage unscharf formuliert ist, denn unter einem "Ausbau" könnte ja einfach auch ein kleiner zusätzlicher Schlepplift gemeint sein.

Nur 17 % der "Bevölkerung" meinen, es wäre wichtig, die Gäste in die Entwicklung von Ötz miteinzubeziehen. Als nicht wichtig erachten es dagegen 58 %.  –  17 zu 58, das ist mehr als 1:3.

Nur 20 % der "Bevölkerung" meinen, die Ski-Verbindung Hochötz-Kühtai wäre wichtig. Für 57 % ist die hingegen nicht wichtig. Verhältnis: Fast 1:3.

Und nur 18 % der "Bevölkerung" meinen, die Ansiedlung neuer Hotels sei wichtig. Das Gegenteil wollen allerdings 66 %. Also mehr als dreimal so viele.

Erkenntnisse
Und das sollen "unterschiedliche" Beurteilungen sein? Wirklich, werte Herren Meinungsmacher, die ihr natürlich zusätzlich auch noch unter "Bevölkerung" abgestimmt habt und damit doppelt und dreifach in diesem vermeintlichen Zukunftskonzept vertreten seid? Und das auch so eine klare Sprache spricht, auch wenn man lediglich 200 Einheimische zu Wort kommen ließ und dafür 400 touristische Mitarbeiter?

Alleine diese Verzerrung der Tatsachen zeigt, wie sehr uns auch bei dieser, man muss sie einfach so nennen, Husch-Pfusch- und Verschleierungsaktion lediglich wieder etwas vorgegaukelt werden sollte.

Das Ganze ist aber einmal mehr wieder nicht sonderlich verwunderlich, wenn man sich alleine die Punkte der Umfrage angeschaut hat, bei denen unseren Machern einmal mehr nichts anderes eingefallen ist, als jene Holzhammermethode, die uns nun bereits seit Jahrzehnten aus dem Hals heraus hängt ("Ohne Tourismus kein Arzt"/"Keine Schulen mehr"/"Sind unsere Häuser nichts mehr wert" etc pp).

Es würde eigentlich nur fehlen, unsere Macher von der Bürgerliste würden die erhaltene Abfuhr (80 gegen 9 %) bei dem von ihnen initiierten Thema Investorenmodell als Erfolg verkaufen. Schließlich sei ja dieser Balken ja grün und das kleine Wörtchen "Keine" vor "Investorenmodelle" könne man auch getrost weglassen:

Bedenklich aus Ötzer Sicht
Das wirklich Bedenkliche in dieser Umfrage ist aber der Umstand, dass mittlerweile sogar die Sautner deutlich besser mit ihrer Gemeindeführung zufrieden sind als die Ötzerinnen und Ötzer. Auch haben die Sautner wesentlich mehr das Gefühl, in der Gemeindepolitik mitreden zu können als die Ötzer.

Bisher war man es aus Ötzer Sicht immer gewohnt, auf den (vermeintlich untereinander verstrittenen) Nachbarn hinabzuschauen. Und jetzt? Plötzlich ist ausgerechnet Sautens ein Vorbild an Demokratie ...

Schlimmer geht´s wohl echt nimmer, oder?

Fazit
Außer Tarnen und Täuschen ist 2030 – jedenfalls in dieser Art aufgezogen – nichts anderes als Propaganda. Und ein Vorgeplänkel zur Gemeinderatswahl 2022, weil jetzt plötzlich wieder die Meinung der Jungen, der Bauern, der Unternehmer, der Touristiker und der Bevölkerung gefragt ist. Wie alle sechs Jahre. Bis Kandidaten für die Einheitsliste gefunden sind. Bis die Wahl geschlagen ist. Dann sind wir wieder für lange Zeit uninteressant. Sollten still sein.

Und wenn nicht? Wenn wir uns erlauben, mitzudenken? Dann sind wir "selbsternannte Experten".

Merke: Wir sollten nur dann den Mund aufmachen, wenn es einigen Herren im Ort genehm ist. Und wenn wir dabei nicht das sagen, was wir sagen sollten? Dann werden selbst klare Ergebnisse höchstens zu "unterschiedlichen Beurteilungen". Zu mehr sicher nicht, denn mit Objektivität soll das alles ja gar nichts zu tun haben.

Wie sagte ein mittlerweile Gott sei Dank bald ehemaliger US-Präsident bei ähnlichen Gelegenheiten immer so schön? – "Alternative Fakten!"

Irgendwie beschleicht einem immer mehr das Gefühl, zwischen Trump und der derzeitigen Ötzer Gemeindepolitik besteht eine innige Beziehung ...

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Teil 2, der zeigt, wie der 2030er-Postwurf mit jenem der Tiwag zusammenhängt, und der beleuchtet, mit welchen Ideen und Strategien man eigentlich an das Thema Tourismus herangehen müsste, erscheint am Montag, dem 10. Jänner 2021. Eine Dokumentation des Versagens unserer derzeitigen Gemeinde- und TVB-Politik anhand eines praktischen Beispiels? Jedenfalls die Hintergründe des Versemmelns einer Riesenchance. Die Belege für fehlende Kreativität und geschäftstüchtig-strategischen Spürsinn. Warum Ötz in vielen Belangen ins Hinterfreffen gelangt. Gelangen muss wenn so getan wird, wie getan wird.